Samstag, 18. November 2017

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Neuer Nadelstich vor der IAA Umwelthilfe fordert Strafgebühr für Diesel-SUV

Stark und schmutzig: SUV sind bei Käufern beliebt, stehen aber immer stärker in der Kritik

Wenige Tage vor der Eröffnung der IAA versetzt die Deutsche Umwelthilfe der Branche einen neuen Nadelstich. Sie fordert eine Strafgebühr für die beliebten Diesel-SUV und übt zugleich harsche Kritik an der Automesse.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist so etwas wie der Stachel im Fleisch der deutschen Autoindustrie. Im Sommer hatte sie vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart der Branche indirekt eine empfindliche Niederlage beigebracht. Seitdem droht in der Metropole wegen der hohen Stickoxidbelastung ein Fahrverbot für Dieselautos.

Das beklagte Bundesland Baden-Württemberg, Standort und zugleich wichtiger Arbeitgeber der deutschen Autobauer, spielt seitdem auf Zeit. Die Landesregierung lässt offen, ob sie das Urteil akzeptieren, Berufung einlegen oder den Weg der Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht wählen will. Stuttgart gehört zu jenen Städten in Deutschland, wo Stickoxid-Konzentrationen in der Luft nachweislich immer wieder die Grenzwerte erheblich überschreiten.

Doch die Organisation lässt nicht locker. Pünktlich zur Eröffnung der Automesse IAA fordert die Umwelthilfe eine Strafgebühr für große Diesel-Geländelimousinen: "In Skandinavien wird mitunter ein hoher Betrag fällig, wenn man einen durstigen Diesel-SUV zulassen will", sagte DUH-Chef Jürgen Resch der "Rheinischen Post". Umgekehrt gebe es staatliche Prämien für denjenigen, der ein E-Auto zulasse. Daran sollte sich Deutschland ein Beispiel nehmen.

Resch spielt damit unter anderem auf die enormen Fortschritte bei der Zulassung von emissionsfreien Autos in Norwegen an. Dank hoher Förderung - so fallen Import- und Mehrwertsteuer beim Kauf eines Elektroautos weg - wurden in der Monarchie im Juli dieses Jahres erstmals mehr Elektro- und Hybridautos zugelassen als Wagen mit Verbrennungsmotoren. Allerdings will Norwegen diese Vorteile zusehends reduzieren. Die Skandinavier wollen zudem ab dem Jahr 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotor zuzulassen.

Deutsche Umwelthilfe: Steuervorteil für Diesel stoppen

Die IAA, die am Donnerstag in Frankfurt eröffnet wird, drohe zu einer "Provinzveranstaltung" zu verkommen, kritisierte der DUH-Chef weiter: "Was in diesem Jahr dominiert, sind die Dinosaurier des Autozeitalters: immer größere, schwerere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, darunter viele Diesel". Die Bundesregierung müsse die steuerliche Begünstigung von Dieselkraftstoff endlich stoppen, forderte Resch. Sonst würden die Autobauer die Entwicklung und den Bau emissionsarmer und spritsparender Fahrzeuge nicht schnell genug vorantreiben.

Von der amtierenden und vermutlich auch kommenden Bundeskanzlerin Angela Merkel müssen die Autobauer aber keine harten Brüche oder Vorgaben fürchten. Merkel, die die IAA am Donnerstag eröffnet, will Fahrverbote unbedingt verhindern und die Autoindustrie als auch Dieselfahrer möglichst lange davor schützen. Zuletzt sprach sich Merkel auch gegen eine blaue Plakette aus, mit denen die Einfahrt in Umweltzonen vor allem für ältere Diesel-Autos untersagt werden könnte.

Dabei nimmt der Druck auf die Politik durch weitere Studien zu: Die Umweltorganisation ICCT, die in den USA die Abgasaffäre von Volkswagen aufdeckte, hatte zuletzt festgestellt, dass 9 von 10 modernen Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 6 auf deutschen Straßen zu viel Dreck in die Luft blasen. Im Schnitt stießen sie 4,5 Mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) aus als vorgegeben. Untersuchungen des Umweltbundesamtes war zuvor zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

mit dpa

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