Donnerstag, 26. April 2018

Autosharing-Dienste Strategien gegen die Uber-Macht

Ubermacht: In China ist Uber seit der Fusion mit dem Rivalen Didi Chuxing marktbeherrschend. Die deutsche Industrie muss beim Thema Carsharing und Mobilitätsdienste Tempo machen, um den Anschluss nicht zu verpassen

Deutschlands Autohersteller sind für die digitale Zukunft nicht gut genug aufgestellt. Verglichen mit den Wettbewerbern aus dem Silicon Valley und aus Fernost müssen VW, Daimler und BMW im digitalen Sektor jetzt durchstarten. Noch können sie auf den vier entscheidenden Gebieten aufholen. Doch viel Zeit bleibt nicht. Teil 5: Sharing-Dienste.


Alle Teile dieser Serie:
Teil 1: Mit Standgas in die Zukunft
Teil 2: Autonomes Fahren - Google auf Speed
Teil 3: So schaffen BMW, Daimler und VW den Anschluss
Teil 4: Deutschland braucht die volle Ladung
Teil 5: Strategien gegen die Uber-Macht

Einer der gleichzeitig berühmten und berüchtigten Stars der Sharing Economy ist das 2009 gegründete Unternehmen Uber, das seit der Erfindung des iPhones vor zehn Jahren als "Mobile first"-Start-up groß geworden ist. Auf dem Weg wurde es bei einer Unternehmensbewertung von zuletzt 60 Milliarden US-Dollar mit Kapital in einer Gesamthöhe von mehr als 11 Milliarden US-Dollar ausgestattet - kolportiert wird trotz aller aktuellen Skandale zudem, dass eine weitere Kapitalaufnahme von 10 Milliarden US-Dollar vor dem Abschluss steht

Uber setzt darauf, dass ein immer größerer Prozentsatz der knapp fünf Billionen weltweit gefahrenen Kilometer pro Jahr in Zukunft von sogenannten Ride-Hailing-Firmen wie Uber absolviert wird - und immer weniger im eigenen Auto. Und zurzeit sieht es danach aus, als wäre auch das ein "Winner takes it all"-Segment, ähnlich wie sich Google Börsen-Chart zeigen bei den Suchmaschinen, Android bei den Betriebssystemen für Smartphones oder Facebook Börsen-Chart zeigen bei den sozialen Netzwerken als mächtige Weltmarktführer etabliert haben.

Patrick Setzer
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    Patrick Setzer
    Patrick Setzer ist seit 20 Jahren im digitalen Sektor tätig. Er hat selbst zwei Internet-Firmen gegründet, in Start-ups investiert und war in verschiedenen Dax- und TecDax- Unternehmen als Manager von Wachstumsfeldern tätig. Zuletzt leitete er zwei Mobilitätsdienstleistungs-Bereiche bei einem deutschen Autokonzern. www.setzer.net

Schon heute bringt es die Firma Didi Chuxing in dieser Königsdisziplin der On-demand-Mobilität in China auf 95 Prozent Marktdurchdringung, in den USA kommt Uber auf einen Anteil von 80 Prozent. Weitere drei bis vier wesentliche Player bearbeiten den Markt global, von denen allerdings keiner eine vergleichbar marktbeherrschende Stellung in Kombination mit einer derart üppigen Finanzausstattung aufweisen kann.

In Europa ist der Markt sehr fragmentiert und bestehende Gesetze lassen einen echten Wettbewerb mit dem Taxigewerbe vielerorts noch nicht zu. Daher ist heute noch nicht klar, ob am Ende Ride-, Hitch-, Taxi-Hailing oder eine Car-Sharing-Variante am erfolgreichsten sein wird.

Car-Sharing: Die Mini-Nische

Stellt man die bei Didi in China aktuell 450 Millionen aktiven Nutzer pro Monat - das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von ganz Europa - der einstelligen Millionenzahl von aktiven Car-Sharing- und Taxi-Hailing-Nutzern in Europa gegenüber, werden schnell zwei klassische Start-up Fehler klar: falsches Segment und falsche Region. Ride Hailing ist das weltweit große und skalierbare Geschäftsmodell, nicht Car-Sharing. Und auch wenn der Start neuer Angebote im Heimatmarkt leichter ist als in fremden Märkten: zielführend ist diese Vorgehensweise nicht. Das Potenzial in anderen Ländern ist weit größer und bereits heute ist absehbar, wer das Spiel der globalen Skaleneffekte gewinnen wird. Allen Quartalsverlusten zum Trotz zeigen die Unitkosten der Ride-Hailing-Firmen in die richtige Richtung - und sobald autonome Technologien den 50-Prozent-Kostenblock namens "Fahrer" aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nehmen, wird der Case schlagartig profitabel mit dann vermutlich bereits einer Milliarde aktiver Kunden. Zu diesem späten Zeitpunkt eine Milliarde Kunden aufzubauen oder zum Wechseln zu bringen ist nicht mehr möglich und es ist wichtig, schnell in den noch nicht entschiedenen Märkten Ride-Hailing Kunden für sich zu gewinnen.

Und sollte der ein oder andere hoffen, Uber und Didi ginge eines Tages das Geld aus, wäre dieser Sachverhalt sicherlich nicht das Ende der Unternehmen. Das Geschäftsmodell würde dann einfach nur so lange zusammengeschrumpft, bis es in den Kernstädten kostendeckend wäre. Selbst im Falle einer Insolvenz würde die digitale Führung und mit ihr die werthaltigen Assets direkt zu anderen technologie- und finanzstarken Firmen wechseln. Der Vorsprung aber bliebe. Der Wolf im Wolfspelz ist ein Uberwolf und nur noch der Drache in China macht ihm Angst.

On-demand-Mobilität wird sich in der Welt und auch in Europa durchsetzen, weil es technisch möglich ist und viele aktuelle Probleme wie Luftverschmutzung in den Städten oder mangelnde Nutzung und Auslastung des globalen Fuhrparks löst. Man muss sich also darauf einstellen, dass neben reduzierten Umsätzen von Verbrennern sowie halbierten Margen aus dem Wechsel zum elektrischen Antrieb zusätzlich sinkende Absatzzahlen bei Autos auf uns zukommen, da Ride-, Taxi- und Hitch-Sharing-Angebote den Kauf eines Zweitwagens weniger attraktiv machen.

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