Samstag, 10. Dezember 2016

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Detroit Motor Show Deutsche Autobauer kämpfen um Diesel - und greifen im Topsegment an

Premieren auf der Detroit Motor Show: Die Neujahrsknaller der wichtigsten US-Automesse
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BMW

Die robuste US-Konjunktur, Billigsprit und Niedrigzinsen - das alles dürfte bei der US-Automesse in Detroit schon früh im Jahr auf neue Rekorde einstimmen. Eigentlich ein tolles Umfeld für die deutschen Hersteller. Wäre da nicht der Skandal um Diesel made in Germany.

Detroit/Berlin - Die deutschen Autohersteller wollen bei der US-Branchenmesse in Detroit (11. bis 24. Januar) das ramponierte Image der Dieseltechnologie aufpolieren. "Natürlich spüren wir beim Diesel derzeit den scharfen Gegenwind in den USA. Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen bei den Kunden in Nordamerika wieder zurückzugewinnen", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, der Deutschen Presse-Agentur. Die Abgas-Affäre des VW-Konzerns hatte mit manipulierter Motoren-Software in den USA ihren Lauf genommen. Seither steht der Diesel dort mehr denn je infrage.

Wirtschaftlich ist das Umfeld blendend für die US-Leistungsschau, mit der die Autobauer in der "Motor-City" Detroit stets ins Jahr starten. Billiger Sprit, gute Konjunkturaussichten und niedrige Zinsen beflügeln die Vereinigten Staaten, die hinter China der zweitgrößte Automarkt der Welt sind. Experten zufolge haben gerade die deutschen Autobauer dennoch auch Probleme in den USA - und zwar nicht nur VW.

Wissmann sagte zum Diesel-Debakel, dass die deutsche Autoindustrie trotz aller Widrigkeiten auch künftig auf die Vorteile des Diesels setze, die er bei CO2-Emissionen und Verbrauch habe. Denn wenn die Selbstzünder ausreichend um modernste Abgasnachbehandlung ergänzt seien, erfüllten sie locker auch die anspruchsvollsten Grenzwerte.

Diesel mit Nischendasein in USA

Doch der Diesel fristete in den USA auch schon vor dem Skandal um die VW-Manipulationen ein Nischendasein. Die Kraftstoffart ist in den Staaten verschrien als Sprit für Bauern oder Lkw-Fahrer. Mit der Offensive "Clean Diesel" wollte VW dieses Bild ändern. Auch andere deutsche Hersteller setzten in den USA auf die Dieselkarte, und der VDA machte ebenfalls Werbung, etwa zu den Automessen in Detroit.

Dann musste VW vergangenen Herbst einräumen, in den USA bei rund 580 000 Diesel-Fahrzeugen eine illegale Software im Einsatz zu haben, die Abgastests erkennt und die Emissionen drückt. Die Folgen sind gewaltig: Die USA haben den Konzern verklagt. Wie der Rückruf der Wagen ablaufen soll, ist ungewiss. Einem Medienbericht zufolge will VW-Chef Matthias Müller der US-Umweltbehörde EPA in dieser Woche eine technische Lösung präsentieren. Dabei soll es um einen neuentwickelten Katalysator gehen.

Angriff im Premiumsegment - Marktanteil von 40 Prozent

Vom Abgas-Skandal abgesehen ist Wissmann generell zuversichtlich. Die Deutschen glänzten in Detroit immerhin mit zahlreichen Weltpremieren. "Besonders stark sind wir auf dem US-Markt im Premiumsegment. Hier haben unsere Unternehmen einen Marktanteil von 40 Prozent", sagte er.

Andere Branchenexperten betonen aber auch, dass zuletzt mehr drin gewesen wäre. "Gemessen an den Marktanteilen hatten die deutschen Autobauer mit 8,8 Prozent ihre beste Marktposition im Jahre 2012", sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Seither verlören die deutschen Hersteller kontinuierlich Bedeutung auf dem boomenden US-Markt; nur noch 8 Prozent Marktanteil hätten sie 2015 gehabt. Hauptgrund sei das schlechte Abschneiden der Marke VW-Pkw.

"Ein schwer zu reparierender Schaden"

Dudenhöffer warnte davor, der Abgas-Skandal könne auf das US-Geschäft aller deutschen Hersteller abfärben. "Mit "Dieselgate" hat die Technik in den USA, die bisher schon wenig geliebt und populär war, einen großen, schwer zu reparierenden Schaden erhalten." Da die Oberklassehersteller BMW, Mercedes, Audi und Porsche ihre Motorstrategie auch am Diesel ausgerichtet hätten, fielen Alternativen schwer. Denn teure Hybride, die normale Verbrenner mit Batterieantrieben kombinieren, drohten in Zeiten des Billigsprits Ladenhüter zu werden.

Dudenhöffers Car-Institut erwartet 2016 rund 18 Millionen neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in den USA. Das wäre nach 17,5 Millionen abermals ein Absatzrekord, wenn auch mit leicht gebremstem Tempo.

Zumindest in der zukunftsträchtigen Nische Elektromobilität haben die deutschen Hersteller laut VDA ihre Hausaufgaben gemacht: "Knapp jedes fünfte Elektroauto, das in den USA verkauft wird, zählt zu einer deutschen Marke", sagte Wissmann. Zudem wollten BMW, Daimler und der VW-Konzern auch eine Führungsrolle bei dem Innovationsthema vernetztes und automatisiertes Fahren.

Den Trend zur IT spürt Detroit jedoch auch schon ganz anders: Die Elektronikmesse CES in Las Vegas kurz vor der Detroiter Auto-Show wird immer mehr zur Konkurrenzveranstaltung - auch für Premieren bei der Technik. "Die virtuelle Welt emotionalisiert junge Menschen und nicht mehr das lederummantelte Lenkrad", sagte Dudenhöffer.

la/dpa

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