Sonntag, 18. November 2018

Kalifornien plant Verbrennungsmotor-Verbot Diese Frau will den Autobossen ihre Geschäftsgrundlage entziehen

Kämpferin gegen Smog und Klimawandel: Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Luftreinhaltungs-Kommission, macht Autobauern das Leben schwer

Wenn deutsche Automanager über die Fahrzeuge der Zukunft debattieren, sitzt Mary Nichols gefühlt immer mit am Tisch. Die Chefin von Kaliforniens Luftreinhaltungs-Kommission "Air Resources Board" hat ihr Büro zwar an der US-Westküste. Doch ihr Einfluss auf die Industrie ist so groß, dass manches in Europa entwickelte Auto faktisch auch auf ihr Konto geht.

Jetzt setzt Nichols, unterstützt von Gouverneur Jerry Brown, zum finalen Großmanöver an: Schon ab dem Jahr 2030 soll in Kalifornien praktisch kein Auto mehr verkauft werden, das überhaupt irgendwelche Abgase ausstößt. Der Vorstoß ist Teil von Browns breit angelegter Klimaschutzoffensive in dem von Wasserknappheit und Waldbränden geplagten US-Bundesstaat. Im September soll das Parlament darüber abstimmen.

"Die Leute müssen sich an eine Welt ohne Emissionen gewöhnen", sagte Nichols gegenüber dem Magazin "Bloomberg Markets". Es gehe nicht mehr um eine "etwas bessere Version der Welt, die sie jetzt haben". Die 70-Jährige führt als Argument schon mal ihre eigenen drei Enkelkinder an, denen sie keinen zerstörten Planeten hinterlassen will.

Den BMW i3 hätte es ohne Nichols' Behörde womöglich nie gegeben

Seit Jahrzehnten macht das lange smoggeplagte Kalifornien Autoherstellern besonders strikte Vorgaben für die Umweltfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge. Nichols mischt dabei seit den 70er-Jahren mit.

Nicht immer ist ihre Behörde gegen Ford und Co. durchgekommen. Doch manchen Wagen wie den Toyota Prius, das legendäre Elektroauto EV1 von General Motors und vielleicht auch den BMW i3 hätte es ohne die Kommission möglicherweise nie gegeben. Nichols selbst glaubt, dass die Automanager ihre Behörde als den wichtigsten Treiber für die technologische Weiterentwicklung des Automobils in Sachen Umweltverträglichkeit ansehen.

Die nun geplante Direktive aus Sacramento schlägt weltweit Wellen. Schließlich ist Kalifornien der größte Automarkt innerhalb der USA. Faktisch müssen die Hersteller entscheiden, ob sie spezielle Elektro- oder Wasserstoffmodelle für den Westküstenstaat anbieten, hohe Kosten für Strafgebühren in Kauf nehmen - oder gleich ihre gesamte Flotte gemäß den kalifornischen Vorgaben modernisieren.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH