Samstag, 26. Mai 2018

Autonomes Fahren Wie Bundeswehr und Pentagon den Weg für Googles Roboterauto bereiteten

Branchenhoffnung: Das Google-Auto, wie es im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt wurde
Youtube / Google Self-Driving Car Project
Branchenhoffnung: Das Google-Auto, wie es im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt wurde

Das selbstfahrende Auto hat schon 50 Jahre Geschichte hinter sich - in der Science-Fiction-Literatur. Doch nun scheint der kommerzielle Durchbruch nah. Die Innovation wurde entscheidend von militärischen Institutionen befördert.

Hamburg - Mit dem Titel "Die geheime Geschichte des Roboterautos" trägt das Magazin "The Atlantic" vielleicht ein bisschen dick auf. Geheim ist die Geschichte nicht wirklich, aber in den Details wenig publik. Der Zeitpunkt scheint passend, sie zusammenzufassen, denn in der "Atlantic"-Version schließt sich ein Bogen über genau 50 Jahre.

1964 beschrieb der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov in der "New York Times" nach dem Besuch der New Yorker Weltausstellung, wie er sich dieselbe Veranstaltung im fernen Jahr 2014 vorstellte. Asimov sagte einiges voraus, was noch heute als Spinnerei erscheint, vieles erstaunlich akkurat über den heutigen Gebrauch von Computern, und dies: "Großer Aufwand wird betrieben, um Fahrzeuge mit Robotergehirnen zu entwerfen, die ihr Ziel ohne Störung durch die langsamen Reflexe eines menschlichen Fahrers ansteuern."

2014 ist tatsächlich das Jahr, in dem Google Börsen-Chart zeigen den ersten Prototyp eines komplett für autonomes Fahren designten Autos vorgestellt hat. Praktisch alle großen Hersteller setzen große Hoffnung in die Technik - auch wenn sie sich angesichts der geringen Akzeptanz in der Öffentlichkeit eher auf elektronische Assistenzsysteme zur Unterstützung der Fahrer statt auf vollständig automatisierte Fahrzeuge verlegen. Durchaus auch größere Fahrzeuge wie Lkw oder Schiffe werden ebenfalls robotisiert.

Schon 1987 steuerte ein Kastenwagen von selbst über die Autobahn

Dazwischen blieb die Idee lange Zeit im Reich der Science-Fiction. Konkret wurde es, als militärische Forschungsinstitutionen sich mit großen Budgets dem autonomen Fahren zuwandten. Auf Youtube ist zu sehen, wie schon 1987 ein Mercedes 500 SEL über eine bayerische Autobahn fährt, ohne dass der Fahrer Steuer und Pedale kontrolliert.

Der Kastenwagen war unter dem Titel "Vamors" (Versuchsfahrzeug für autonome Mobilität und Rechnersehen) Teil eines Forschungsprojekts an der Münchener Universität der Bundeswehr. Roboterautopionier Ernst Dickmanns stützte sich auf die Zusammenarbeit mit Daimler Börsen-Chart zeigen und ein neunstelliges Budget der europäischen Forschungsorganisation Eureka. 1994 konnten Autos aus dem Projekt schon im Autobahnverkehr um Paris mitschwimmen und Überholmanöver demonstrieren.

Den direkten Sprung in Googles datengetriebene Produktentwicklung schaffte die Technik über die Initiative des US-Verteidigungsministeriums. Die zum Pentagon gehörende Forschungsabteilung Darpa veranstaltete ab 2004 Wettrennen der Roboterautos. Für die Universität Stanford war der Deutsche Sebastian Thrun mit am Start der "Grand Challenge" (hier ein Video von 2005 mit einem umgebauten VW Touareg), der später Googles Autoprojekt gründete.

Mit einer Voraussage lag Asimov übrigens richtig daneben: 2014 fand überhaupt keine Weltausstellung statt. Die nächste ist für das kommende Jahr in Mailand geplant.

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