Sonntag, 24. Juli 2016

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Datenbrille als Logistik-Helfer Neue Chance für Google Glass - in den Lagerhallen von VW

Verbot für Computerbrille: Wo Google-Glass-Träger draußen bleiben müssen
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DPA

Datenbrillen von Google und dem US-Konkurrenten Vuzix sollen VW-Lagerarbeitern das Herauspicken der richtigen Bauteile erleichtern. VW-Logistiker testen den Einsatz der Brillen im Feldversuch - noch in diesem Frühjahr fällt eine Entscheidung über einen Einsatz der Brillen im größeren Maßstab.

Im normalen Alltagseinsatz hat die Datenbrille Google Glass eher enttäuscht als begeistert. Auch mit der sozialen Akzeptanz der Datenbrillen-Träger in der Öffentlichkeit haperte es.

Das wird am neuen Einsatzort von Google Glass nicht passieren: Im Teilelager des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg soll die Brille nun Logistikmitarbeitern helfen, die richtigen Bauteile zu finden - und dabei beide Hände freizuhaben.

Derzeit erprobt VW den Einsatz von zwei Datenbrillen-Modellen in der Lagerlogistik, erklärte ein VW-Sprecher gegenüber manager magazin online: Die Datenbrille Google Glass und das Modell M100 des US-Konkurrenten Vuzix. Beide Brillen seien von der Bedienlogik her ähnlich und werden in einem Feldversuch getestet. Noch in diesem Frühjahr soll eine Entscheidung über den regulären Einsatz der Brillen im VW-Werk fallen - sofern der Test erfolgreich verläuft.

Lichtleitsystem vs. Datenbrille

Für den Versuch setzt VW zehn Google Glass-Brillen und zehn Vuzix-Modelle ein. Minikameras in den Datenbrillen erkennen die mit QR-Strichcodes beschrifteten Info-Aufkleber auf den Teilebehältern. Ein Piepston und ein grünes Licht, das in die Gläser der Brille projiziert wird, signalisieren den Lagermitarbeitern, ob das Teil zu ihrer Packliste passt. Bisher nutzten sie dafür Teilescanner - doch die mussten sie in einer Hand halten. Mit der Datenbrille haben die Lagermitarbeiter beide Hände frei zum Packen.

Das soll die Sicherheit erhöhen und zu gesunderen Bewegungen führen. VW hofft aber auch, damit die Produktivität zu erhöhen. "Wir haben die Technik eingeführt, sie funktioniert. Doch jetzt müssen wir die Praktikabilität und Alltagstauglichkeit erproben", sagt Claus-Peter Tiemann, Sprecher des Werks Wolfsburg, gegenüber manager magazin online. Die Brillen treffen allerdings im Lager auf Technologie-Konkurrenz. Seit einem Jahr setzt Volkswagen in Teilen seines Lagers ein System ein, das Logistiker mit Lichtsignalen zu den richtigen Teilebehältern lotst.

Brillen dürften günstiger sein als Teilescanner

Noch in diesem Frühjahr soll eine Entscheidung über den regulären Einsatz der Datenbrillen im Wolfsburger Werk fallen. Erst danach wird festgelegt, wieviele Brillen von welchem Anbieter gekauft werden.

Google hat den Verkauf seiner Datenbrille an Privatkonsumenten Mitte Januar zwar vorläufig gestoppt. Mit einem Verkaufspreis von 1500 Dollar waren die Brillen der "Explorer Edition" eher teuer, ihr Design fiel eher klobig aus, und die Nachfrage blieb aus diesen beiden Gründen eher verhalten. Der Konzern verkauft seine Brille aber weiterhin an Gewerbekunden für den Einsatz im Arbeitsalltag.

Mit dem Verwendung von Datenbrillen, die ursprünglich für den Massenmarkt entwickelt wurden, kann VW auch einiges an Geld sparen. "Wenn es uns gelingt, Consumer-Geräte im Fabriksalltag einsatzfähig zu machen, haben wir einen deutlichen Kostenvorteil", sagte ein VW-Sprecher. So sind die meisten Handscanner im Industrieeinsatz eigens für ihr Aufgabengebiet entwickelt worden. Ein einziges Gerät kostet schnell einen vierstelligen Euro-Betrag. Seine Datenbrille verkauft Google an Gewerbekunden wohl etwas günstiger als die von Endverbrauchern verlangten 1500 Dollar.

Lesen Sie hier: VW-Chef findet erstes Sparopfer

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