Montag, 26. Juni 2017

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Batteriefabrik von Li-Tec auf der Resterampe Hier verscherbelt Daimler eine deutsche Industrie-Hoffnung

Geplatzter Traum: Wie Daimlers hochmoderne Batteriefabrik zum Flop wurde
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Maynards

Der Autokonzern Daimler Börsen-Chart zeigen trennt sich auf wenig rühmliche Weise von seiner einstigen Batterie-Vorzeigefabrik Li-Tec in Kamenz (Sachsen): Zwei Monate bevor die Produktionsstätte ihre Tore schließt, sucht der Autobauer mit Hilfe eines Auktionshauses nach einem Käufer für die nicht mehr benötigten Maschinen und Roboter.

"For Sale" heißt es fettgedruckt in einer Anzeige des Verwertungsspezialisten Maynards, platziert im Energiewirtschafts-Newsletter "E&M daily". Drei "vollständige Produktionslinien" zur Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen für Elektroauto-Batterien bieten die kanadischen Alles-muss-raus-Spezialisten im Auftrag der Daimler-Tochter feil. Über ein "sehr kompaktes Design" verfügen die Anlagen laut Exposé und punkten mit "wettbewerbsfähigen Durchlaufzeiten".

Die marktschreierische Aktion kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Angesichts des Volkswagen-Abgasskandals muss die deutsche Autoindustrie jetzt eigentlich beweisen, dass sie saubere und zukunftsträchtige Technologien beherrscht.

Fabrik brachte Daimler kein Glück

Dazu zählen nach Einschätzung der meisten Fachleute Batterie-Elektroautos. Sie stoßen überhaupt keine Schadstoffe aus. Da wirkt es anachronistisch, dass Daimler die einzige deutsche Batteriezellen-Fabrik im industriellem Maßstab abstößt.

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Allerdings hat die moderne Anlage in Kamenz, in der seit 2012 Batteriezellen gefertigt wurden, Daimler überhaupt kein Glück gebracht. Zunächst kam die Produktion aufgrund von Problemen beim Aufbau der Fabrik nur schleppend in Gang, der Marktstart des aus Kamenz belieferten Elektro-Smart verzögerte sich.

Als diese Schwierigkeiten ausgeräumt waren, verließen zwar technisch ausgereifte Batterien das Werk, die in Fachkreisen große Anerkennung fanden. Doch ihre Herstellung war vergleichsweise teuer, wie Daimler selbst einräumte.

Konkurrenten aus Asien bieten deutlich billigere Batterien an. Sie haben auch Kunden in der Unterhaltungselektronik und können wesentlich größere Skaleneffekte erzielen. Daimler dagegen suchte erfolglos nach Aufträgen von externen Großkunden, die die Fabrik hätten auslasten können.

Für Daimler wurden Li-Tec und der Elektro-Smart daher zum Verlustgeschäft. Joint-Venture-Partner Evonik stieg 2014 aus. Versuche, einen neuen Mitstreiter für die Tochterfirma zu finden, scheiterten. Künftig bezieht Daimler seine Batteriezellen bei LG Chem aus Asien und baut sie in Sachsen zu Batteriepaketen zusammen - beim verbleibenden Tochterunternehmen Deutsche Accumotive.

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