Mittwoch, 19. Dezember 2018

Lei Shing Hong kauft drei Niederlassungen Daimlers neue China-Offensive

Mercedes-Stern auf einer Kühlerhaube: Die Daimler-Niederlassung im ostdeutschen Erfurt soll nun Daimlers chinesischer Vertriebspartner Lei Shing Hong aufpolieren

Ist das nur der Auftakt? Auf der Käufersuche für deutsche Niederlassungen ist Daimler in China fündig geworden. Lei Shing Hong, Daimlers weltweit größter unabhängiger Vertriebspartner, übernimmt die Niederlassung in Erfurt und prüft den Kauf der restlichen 15 ostdeutschen Mercedes-Häuser.

Hamburg - Lei Shing Hong (LSH) verhandelt mit Daimler Börsen-Chart zeigen schon länger über einen Einstieg in Deutschland. Der Stuttgarter Autokonzern will die Zahl seiner knapp 160 deutschen Niederlassungen und angeschlossenen Werkstätten deutlich reduzieren. Rund 40 Prozent der Betriebe sollen verkauft, ein anderer Teil geschlossen oder in größeren Einheiten zusammengefasst werden. Insbesondere die konzerneigenen Filialen in Westdeutschland fahren zum Teil deutliche Verluste ein.

Eine Daimler-Sprecherin bestätigte gegenüber manager magazin online, dass die Niederlassung in Erfurt an LSH gehen solle. Zwischen Daimler und einer Tochtergesellschaft von LSH sei ein Kaufvertrag geschlossen worden. Allerdings werde der Verkaufsprozess erst in einem halben Jahr abgeschlossen sein, weil zunächst die Bücher geprüft werden müssten. Zum vereinbarten Kaufpreis konnte die Daimler-Sprecherin keine Angaben machen.

Die ostdeutschen Niederlassungen seien LSH im Paket angeboten worden, heißt es in Konzernkreisen. Die Chinesen prüften auch einen Kauf der restlichen 15 Daimler-Niederlassungen in den neuen Bundesländern.

Der Betrieb in Erfurt, zu dem zwei weitere Standorte in Weimar und Arnstadt zählen, ist nicht in Daimlers für die neuen Bundesländer zuständige Vertriebsgesellschaft integriert. Der Konzern hatte den Betrieb einem selbstständigen Händler abgekauft. Insgesamt beschäftigen die ostdeutschen Niederlassungen rund 1100 Mitarbeiter.

Hohe Pensionslasten der Betriebe

Im Westen bemüht sich der Autohersteller schon seit einigen Jahren darum, Niederlassungen zu verkaufen. Bislang waren die Gespräche stets gescheitert. Jetzt gelang aber auch dort der erste Abschluss. Die Handelsgruppe KBM Motorfahrzeuge in Neuwied übernimmt die Niederlassung in Wiesbaden.

Ein Grund für die schwierigen Verkaufsgespräche insbesondere im Westen waren die hohen Pensionslasten der Betriebe. Dazu komme, dass Daimler Börsen-Chart zeigen im Schnitt zum Teil deutlich höhere Löhne bezahle als konzernunabhängige Händler, heißt es in Stuttgart. Nach zähen Verhandlungen hatte sich die Daimler-Führung kürzlich mit dem Betriebsrat unter anderem auf einen bis 2023 gültigen Beschäftigungssicherungspakt geeinigt.

Die dort vereinbarten Garantien sollen auch nach einem möglichen Verkauf einer Niederlassung gelten. Die Vereinbarung gilt allerdings nur für die westdeutschen Niederlassungen. Für die Betriebe im Osten fordert der Betriebsrat einen Vertrag.

LSH ist langjähriger Daimler-Partner in China

Mit LSH arbeitet Daimler schon seit den 80er Jahren zusammen. LSH verkauft nicht nur in China Mercedes Mercedes-Pkw, sondern unter anderem auch in Malaysia und Taiwan. In China gehören der Gruppe mehr als 50 Mercedes-Händler. Der in Hongkong ansässige Konzern ist damit Daimlers größter Vertriebspartner.

Bis zu einer Umstrukturierung Ende 2012 hielten die Chinesen sogar 49 Prozent an Daimlers für die Volksrepublik zuständiger Importgesellschaft. Über diese hoch profitable Daimler-Tochter laufen sämtliche Importe von Mercedes-Modellen in die Volksrepublik. Inzwischen hat der Autokonzern LSH allerdings gut die Hälfte des Anteils an der Importgesellschaft abgekauft und das gesamte Handelsnetz neu geordnet.

mmo

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