Sonntag, 26. Juni 2016

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Streit um Antrieb der Zukunft Zetsche und Ghosn attackieren Toyotas Wasserstoffauto

Auto des Anstoßes: Toyotas Wasserstofffahrzeug FCV soll 2015 auf den Markt kommen.

Mit seinem Wasserstoffauto FCV wähnt sich Toyota weit vorn im Wettrennen um den Antrieb der Zukunft. Doch auf dem Pariser Autosalon zerreißen Daimler-Chef Dieter Zetsche und Renault-Boss Carlos Ghosn den Vorstoß. Toyota schade mit dem Fahrzeug der gesamten Branche.

Hamburg - Jahrzehntelang hat die Fahrzeugindustrie das Wasserstoffauto als große Zukunftshoffnung gepriesen. Doch was passiert in dem Moment, da der größte Hersteller - Toyota Börsen-Chart zeigen - mit dem Modell FCV vorprescht? Die Konkurrenz reagiert mit heftiger Ablehnung auf das für 2015 geplante Auto.

Dieter Zetsche und Carlos Ghosn, die Chefs von Daimler Börsen-Chart zeigen und Renault Börsen-Chart zeigen , werfen den Japanern sogar vor, die Interessen der Branche zu verraten. "Wie sollen diese Autos jemals massenmarkt-tauglich werden?", fragte Ghosn laut einem Bericht des Wall Street Journal beim Autosalon in Paris.

Zetsche warf Toyota demnach vor, den Umstieg der Industrie hin zu emissionsarmen oder -freien Fahrzeugen zu erschweren. Statt publikumswirksamer Vorstöße einzelner Hersteller benötige die Branche eine gemeinsame Strategie. "Dies ist keine Angelegenheit, bei der der erste Anbieter einer neuen Technologie schon bald Hunderttausende Autos verkauft", sagte Zetsche. "Diesen Wechsel muss die Branche gemeinsam bewältigen."

Zetsche und Ghosn befürchten offenbar, dass Toyota viele Milliarden Euro Subventionen für seine Wasserstoffautos sowie die benötigte Tankstellen-Infrastruktur bekommt. Dies könnte zulasten staatlicher Hilfen für Batterie-Elektroautos gehen, was deren ohnehin schleppende Verbreitung weiter erschweren würde.

Toyotas Europachef Didier Leroy konterte, Toyota habe Erfahrung mit der Einführung neuer Technologien und verwies auf die Hybridtechnik. Das Wasserstoffauto werde ein Erfolg werden, wenn möglicherweise auch erst nach 2020.

Hoffnungsträger Zoe, Leaf, Smart ED und S500 Plugin-Hybrid

Zetsche und Ghosn konzentrieren sich derzeit auf batterieelektrische Autos als Zukunftstechnologie: Renault-Nissans Vorzeigemodelle heißen Renault Zoe, und Nissan Leaf. Daimler ist unter anderem mit dem Smart ED und dem Mercedes S500 Plugin-Hybrid am Start.

Doch der Absatz ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Hersteller hoffen deshalb auf Kaufprämien, Zuschüsse für Ladesäulen und andere Förderungen. Sie haben einen Erfolg emissionsarmer Fahrzeuge dringend nötig, weil Regierungen weltweit striktere Abgasregeln erlassen.

Seine eigenen Wasserstoffauto-Pläne hatte Daimler zuletzt mehrfach in die Zukunft verschoben. Noch vor wenigen Jahren hatte Zetsche den Serienstart einer Brennstoffzellen-B-Klasse von Mercedes für 2014 angekündigt. Aufgrund der hohen Kosten und Fortschritte bei batterieelektrischen Autos hatte Daimler den Starttermin um drei Jahre nach hinten verschoben.

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Lesen Sie auch, wie Toyota Elektroautos per Anzeigenkampagne bekämpft und welche Zukunftschancen einzelne alternative Antriebe haben.

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