Mittwoch, 25. Mai 2016

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Daimler-Tochter Moovel "Wir wollen das Amazon der Mobilität werden"

Clever von A nach B: Daimler-Tochter Moovel will die Verkehrsmittel bündeln

Der Streit um Uber vermittelt den Eindruck, neue Mobilitätskonzepte seien eine Sache aggressiver kalifornischer Startups. Weit gefehlt: Mit der Daimler-Tochter Moovel hat sich längst ein deutsches Schwergewicht in Position gebracht - mit ehrgeizigen Zielen.

Hamburg - Der Name Moovel ist in Deutschland bislang nur wenigen ein Begriff. Als Marke bekannter ist der über Moovel buchbare Mietwagenbetreiber Car2go, mit dessen Smarts mittlerweile hunderttausende Kunden weltweit unterwegs sind. Oder die vor kurzem von Moovel komplett übernommende App Mytaxi.

Die Daimler Börsen-Chart zeigen -Tochter hat es mit Hilfe von hohen Investitionen zu einem der führenden Spieler auf dem boomenden Mobilitätsmarkt gebracht. manager magazin sprach mit Moovel-Chef Robert Henrich über die Zukunftsfähigkeit des Uber-Geschäftsmodells, den Milliardenmarkt Mobilität und der Rolle der traditionellen Autoindustrie.

mm: Herr Henrich, in Deutschland tobt eine Auseinandersetzung zwischen dem Taxigewerbe auf der einen und dem US-Fahrdienst Uber auf der anderen Seite. Als möglichen Konkurrenten für die von Ihnen vermittelten Dienste beobachten sie das US-Start-up und seine Geschäftspraktiken doch sicher intensiv. Ist Uber das schwarze Schaf der Branche?

Henrich: Ich bin kein Jurist. Über die Zulässigkeit von Fahrdiensten zu entscheiden, ist Sache der Gerichte. Aber die juristischen Meinungen, die ich gelesen habe, sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass das Geschäftsmodell so wie es heute ist, fortgesetzt werden kann. Aber ich würde das nicht so schwarz-weiß sehen.

mm: Die Taxifahrer sehen es aber so.

Henrich: Mobilität ist ein boomender Markt. Viele neue Unternehmen treten auf den Plan, viele Start-ups gründen sich - teils mit brillanten Ideen, wie Mobilität intelligenter und flexibler organisiert werden kann. Wir sehen riesige Wachstumsraten beispielsweise im Carsharing. Und Uber ist einer von diesen Playern. Ich sehe da auch viel Positives. Denn die Urbanisierung wird sich als Trend fortsetzen. Und die Herausforderungen für die städtischen Verkehrssysteme sind gewaltig. Jeder, der einen Beitrag leisten kann, diese Herausforderungen zu lösen, ist uns willkommen.

mm: Welche Rolle haben Sie hier für sich ausgemacht? Zum einen haben Sie mit Mytaxi kürzlich einen der Mobilitätsanbieter auf Ihrer Plattform komplett übernommen. Mit Europcar betreiben Sie das Joint Venture Car2Go. Sie sind bei Blacklane, Flixbus, carpooling.com und den Lieferdienstleister Tiramizoo investiert - und betreiben außerdem die Mobilitätsplattform Moovel, auf die neben den eigenen Unternehmen auch von ihnen unabhängige Anbieter vertreten sind. Wollen Sie so eine Art Amazon Börsen-Chart zeigen der Mobilität werden?

Henrich: Absolut. Wir bauen mit Moovel eine offene Mobilitätsplattform, die es sich zur Aufgabe macht, insbesondere für Stadtbewohner jede Mobilitätsoption so bereit zu stellen, dass man, wenn man von A nach B möchte, in jeder einzelnen Situation die beste Wegekette für sich findet. Vom ÖPNV über Taxi, Limo, Mietwagen, Leihfahrrad, Carsharing, Fernbahn, Fernbus bis hin zum Flugzeug. Und wir wollen jeden einladen, dabei mitzumachen, der etwas dazu beitragen kann. Wir sind völlig neutral den Anbietern gegenüber.

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