Dienstag, 26. März 2019

Häme gegen "Charlie Hebdo" Daimler setzt Betriebsrat vor die Tür

Nach dem Anschlag: Nicht jeder sympathisiert mit "Charlie Hebdo"-Redaktion

Vor wenigen Wochen äußerte sich ein Betriebsratsmitglied von Daimler abfällig über die getöteten Redakteure des Satiremagazins "Charlie Hebdo". Jetzt hat ihm das Unternehmen gekündigt - aus einem anderen Grund.

Karlsruhe - "Jeder Mensch zahlt für seine Taten! Die einen früher, die anderen später... Fuck Charlie Hebdo": Mit Sätzen wie diesen hat ein Betriebsratsmitglied von Daimler Börsen-Chart zeigen nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" für Aufsehen gesorgt. Nun ist der Mann seinen Job bei dem Autohersteller los, das Unternehmen hat ihm gekündigt.

Jedoch nicht wegen seiner umstrittenen Äußerungen, sondern wegen eines "gravierenden Verstoßes gegen arbeitsvertragliche Pflichten", sagte ein Sprecher von Daimler. Schon vor Wochen hatte das Unternehmen, der Betriebsrat vom Werk Rastatt und die IG Metall ein Verfahren eingeleitet, um den Mann aus dem Betriebsrat auszuschließen. Der nun erfolgte Rausschmiss aus der Firma stehe damit aber in "keinerlei Zusammenhang", sagte der Sprecher.

Der Angestellte hatte die umstrittenen Äußerungen nach Angaben der IG Metall auf seiner privaten Facebook-Seite verbreitet und damit für Aufruhr in der Belegschaft gesorgt. Die Ansichten seien von der freien Meinungsäußerung nicht mehr gedeckt, hieß es bei der Gewerkschaft. Bei dem blutigen Attentat auf die Redaktion des französischen Satiremagazins waren am 7. Januar in Paris zwölf Menschen von Islamisten getötet worden.

Über das angestrengte Amtsenthebungsverfahren soll im Rahmen einer Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Karlsruhe beraten werden. Für den 12. März sind die Parteien dazu nach Rastatt in die Räume des dortigen Amtsgerichtes geladen. Sollten sich die Kontrahenten nicht einigen, kommt es zur Hauptverhandlung in Karlsruhe. Gewerkschaft und Betriebsrat hätten den Mann aufgefordert, sich von den Äußerungen zu distanzieren. Das habe er aber abgelehnt, hatte Betriebsratsvorsitzende Ullrich Zinnert Ende Januar erklärt.

ts/jbe/dpa

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