Donnerstag, 24. Mai 2018

Daimler verstärkt Bande mit China-Partner BAIC Dieter Zetsches diplomatischer Eiertanz in China

Daimler-Chef Dieter Zetsche will von Geely "Konsens" über die weitere Kooperation mit Geely-Konkurrent BAIC

Vor gerade mal zwei Tagen stellte Daimler-Chef Dieter Zetsche eines klar: Seinen bisherigen chinesischen Partnern BAIC und BYD will er die Treue halten - auch wenn das seinem neuen Großaktionär, dem chinesischen Autohersteller Geely, nicht passen könnte. Der in Chinas politischer Führung gut vernetzte Geely-Chef Li Shufu war im Februar überraschend mit fast 10 Prozent bei Daimler eingestiegen.

Über die weitere Daimler-Zusammenarbeit mit BAIC "würden wir gerne einen Konsens mit unserem chinesischen Partner haben", erklärte Zetsche auf dem Genfer Autosalon in Richtung Geely - und schob diplomatisch nach, dass ein Treffen mit Geely-Chef Shufu konstruktiv gewesen sei.

Doch in Zetsches Wortwahl klang durch, dass es über die Zusammenarbeit noch unterschiedliche Vorstellungen gibt. Gegen allzu große Kooperationsgelüste bauen die Stuttgarter bereits vor - indem sie Fakten schaffen. Wie Daimler nun bekanntgab, steigen die Stuttgarter bei BAICs Elektroauto-Tochter BJEV ein. Sie übernehmen 3,93 Prozent der Anteile.

Über die notwendige Geldsumme für den Anteilskauf will Daimler Börsen-Chart zeigen auf Nachfrage keine Auskunft geben. Den Einstieg hatte der schwäbische Autohersteller bereits im Juni vergangenen Jahres verabredet. Damals stellte Daimler die Weichen zum Bau neuer Elektroautos in China - nun ist der Einstieg ein weitere Fingerzeig in Richtung Geely.

Diplomatischer Eiertanz des Daimler-Chefs

Bereits beim Einstieg von Geely hatten die Stuttgarter ein deutliches Zeichen gesetzt: Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Anteilskaufs gab Daimler bekannt, gemeinsam mit Geely-Konkurrent BAIC 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten in China zu investieren.

Die Freude über den neuen Großaktionär und dessen Pläne dürfte sich in Stuttgart eher in Grenzen halten - auch wenn Daimler-Chef Zetsche das möglichst nüchtern darstellt: In dem gemeinsamen Gespräch habe Shufu laut Zetsche angeregt, bei manchen Themen die Kräfte zu bündeln. Er wolle dies mit Daimler ausloten. "Wir haben das genauso gesehen", fügte Zetsche hinzu.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter

Die Schwaben seien für eine Kooperation in China offen. Insgesamt sehe er bei einer Zusammenarbeit mehr Chancen als Risiken. Den Einstieg von Geely nannte Zetsche "den Start zu einer bisher noch offenen Zukunft". Li Shufu habe auch nicht die Absicht geäußert, seinen Anteil über 10 Prozent zu erhöhen, beruhigte Zetsche noch in Genf. Der Geely-Chef strebe auch keinen Sitz im Aufsichtsrat an.

Alles bestens also mit dem neuen Großaktionär? Mitnichten. Geely ist Eigentümer des schwedischen Autobauers Volvo, auch am schwedischen Lkw- und Bus-Hersteller Volvo AB ist er beteiligt. Den Einstieg bei Daimler begründete er damit, eine Allianz zum Thema autonomes Fahren und Elektromobilität schmieden zu wollen. Das scheint nicht nur Daimler nicht so recht zu passen - auch in seinen eigenen Reihen stößt Geely-Chef Shufu damit nicht gerade auf Begeisterung.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH