Montag, 23. Januar 2017

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Mercedes verkauft 2016 mehr als zwei Millionen Autos Zetsche holt sich die Premium-Krone zurück

Dieter Zetsche in Detroit: Die Autobauer stehen vor dem größten Strukturwandel ihrer Geschichte. Die Zahl der meistverkauften Autos dürfte an Bedeutung verlieren

Fast 2,1 Millionen Autos hat Daimler im vergangenen Jahr von der Marke Mercedes-Benz verkauft - so viel wie nie zuvor. Dieter Zetsche wird damit die Premium-Krone von BMW zurückerobert haben. Doch dieser "Titel" wird in Zukunft an Bedeutung verlieren.

Pünktlich zur Detroit Motor Show trumpft Daimler-Chef Dieter Zetsche auf. Im Rennen um die Premium-Krone der Autobauer dürfte Mercedes die Wettbewerber BMW und Audi beim Autoabsatz hinter sich gelassen haben. Die Verkäufe der Kernmarke Mercedes durchbrachen im vergangenen Jahr die Schallmauer von zwei Millionen.

2,084 Millionen Autos verkaufte Mercedes insgesamt. Das ist ein Plus von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte der Konzern am Montagmorgen mit. "Jetzt ist Mercedes-Benz die absatzstärkste Premiummarke", verkündete Zetsche.

Konkurrent Audi verkaufte im vergangenen Jahr 1,87 Millionen Autos, hatte Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter jüngst der "Welt" gesagt. BMW hat noch keine Jahreszahlen vorgelegt, lag bis November aber ebenfalls hinter den Schwaben.

Europa war demnach auch 2016 die größte Absatzregion, vor allem die Verkäufe der E-Klasse und der sportlichen Geländewagen trugen den Angaben zufolge zu einem Plus von 12,4 Prozent auf fast 900.000 Fahrzeuge bei. Den größten Sprung machte der Dax-Konzern erneut in China mit einem Verkaufsplus von mehr als einem Viertel. Das Land ist mit nun 473.000 verkauften Autos auch der größte Einzelmarkt für die Stuttgarter.

Mercedes hatte die Premiumkrone 2005 an BMW abgeben müssen und fuhr dann gut ein Jahrzehnt lang beim Absatz Jahr für Jahr den Münchener hinterher. Auch die VW-Tochter Audi zog an Mercedes vorbei. 2011 hatte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche vorgenommen, BMW die Spitzenposition wieder abzujagen - im Jahr 2020 wohlgemerkt.

"Wir hatten Kosten- und Qualitätsprobleme, das Design war nicht top"

Jetzt hat der Manager das Ziel sozusagen vorzeitig erreicht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte der Daimler-Chef Ende 2016: "Wir hatten Defizite: Kosten- und Qualitätsprobleme. Das Design war nicht top. Und mit Chrysler waren wir kein reiner Premium-Autobauer mehr." Vor allem in der Design- und Formsprache sah Zetsche Mercedes gegenüber der Konkurrenz deutlich ins Hintertreffen geraten.

Die Wende bei Mercedes und damit den Beginn der Aufholjagd datieren Experten auf das Frühjahr 2013 - zunächst mit dem Launch der S-Klasse und dann der ganze Produktpalette. Doch nicht nur beim Design sondern auch in einzelnen Regionen holte Daimler stark auf. Vor allem in China, wo Volkswagen mit Audi und BMW den Premiummarkt dominierten, krempelte Daimler seinen Vertrieb um und verringerte damit den Abstand zur Konkurrenz.

Doch Zukunft dürfte wohl nicht mehr entscheidend sein, wer die meisten Autos baut, sondern wer dies am profitabelsten kann und dabei am schnellsten den Strukturwandel zum Mobilitätsdienstleister schafft, glauben Autoexperten von Unternehmensberatungen.

Studien und Umfragen weisen darauf zudem hin, dass immer weniger junge Menschen - also die Autokäufer von morgen - ein eigenes und dann noch kostspieliges Auto als erstrebenswert empfinden. Nicht der Besitz sondern die Nutzung eines Fahrzeuges sei entscheidend.

Zetsche weiß um die Herausforderung und verspricht: "Wir machen weiter Tempo - mit neuen Technologien, Produkten und Dienstleistungen."

mit Nachrichtenagenturen

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