Montag, 30. Mai 2016

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Daimlers teure Niederlassungsverkäufe "Wir wollen doch die Besten sein ..."

Buybuy: Konzernchef Dieter Zetsche will 63 Daimler-Niederlassungen in Deutschland verkaufen und muss sich auf teure Absicherungsprogramme für die Beschäftigten einlassen - bishin zu einem Rückkehrrecht
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Buybuy: Konzernchef Dieter Zetsche will 63 Daimler-Niederlassungen in Deutschland verkaufen und muss sich auf teure Absicherungsprogramme für die Beschäftigten einlassen - bishin zu einem Rückkehrrecht

Der Verkauf von 63 deutschen Daimler-Niederlassungen mit 4500 Stellen geht in die heiße Phase. Konzernbetriebsratschef Michael Brecht spricht über Absicherungspakete für die Kollegen, wo man mit dem Management auf Kriegsfuß steht und wieso Berlin den Elektroauto-Kauf dringend fördern sollte.

mm: Herr Brecht, sind die Autoverkäufer in den Niederlassungen für Sie Kollegen zweiter Klasse?

Brecht: Natürlich nicht. Wie kommen Sie darauf?

mm: Als das Daimler-Management Ende 2009 ankündigte, die Mercedes-C-Klasse künftig nicht mehr in Sindelfingen zu bauen und stattdessen unter anderem im amerikanischen Tuscaloosa, hat der Betriebsrat einen regelrechten Aufstand gestartet. Jetzt will die Konzernspitze gut 60 Niederlassungen verkaufen oder schließen - und vom Betriebsrat ist wenig zu hören. Dabei geht es erneut um mehrere Tausend Jobs.

Brecht: Als die C-Klasse verlagert werden sollte, gab es viel Wirbel, klar. Der Widerstand in Sindelfingen war groß. Und am Ende ist es uns gelungen, die betroffenen Kollegen mit einem umfangreichen Beschäftigungs- und Zukunftssicherungspaket zu schützen. Heute arbeiten in Sindelfingen sogar mehr feste Mitarbeiter als 2009.

mm: Der Aufstand hat sich also gelohnt. Warum dann jetzt die große Ruhe?

Brecht: So ruhig waren wir nicht. Im April letzten Jahres haben über 4000 Niederlassungs-Beschäftigte in Stuttgart demonstriert, und es gab Protestaktionen in den Betrieben. Aber wir wirbeln noch stärker intern als in der Öffentlichkeit. Dabei ist es uns zwar diesmal nicht gelungen, allen betroffenen Mitarbeitern eine Perspektive bei Daimler zu bieten. Trotzdem: auch ohne ganz großen Lärm haben wir mit dem Management Absicherungs- und Ausgleichsregelungen vereinbart, die wirtschaftlich sehr gut sind und uns auch ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Käufer sichern.

mm: Das bedeutet zum Beispiel, dass Daimler den Käufern der Niederlassungen für zehn Jahre die Pensionsverpflichtungen abnimmt - und so die Versorgung der Mitarbeiter absichert.

Brecht: Das ist nur ein Teil der Vereinbarung. Wir haben ein umfangreiches Paket zur Absicherung der Beschäftigten geschnürt. Die vom Verkauf betroffenen Kollegen werden zum Beispiel Ausgleichszahlungen erhalten.

mm: Die Käufer zahlen weniger Gehalt, und Daimler zahlt die Differenz zum bisherigen Lohn?

Brecht: So in etwa; es geht dabei auch um die Sozialleistungen. Abhängig von Betriebszugehörigkeit und Alter erhalten die Mitarbeiter entsprechende Abfindungsbeträge. Gehen Sie dabei von folgender Faustformel aus: wenn heute jemand etwa 50 Jahre alt ist, wird er bis zur Rente annähernd das gleiche materielle Niveau halten wie seine bei Daimler gebliebenen Kollegen.

mm: Und zusätzlich entscheidet der Betriebsrat auch noch, wer kaufen darf?

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