Donnerstag, 24. Mai 2018

Geely-Chef Li Shufu spricht von längerem Engagement - und sieht sich nicht als Konkurrent Worauf Daimlers neuer Großaktionär aus China setzt

Größter Daimler-Aktionär - und zugleich Konkurrent: Geely-Chef Li Shufu will bei den Stuttgartern die Elektromobilität vorantreiben

Der neue chinesische Großaktionär Geely hat dem Stuttgarter Autobauer Daimler ein langfristiges Engagement zugesagt. Er freue sich, "Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten", erklärte Geely-Chef Li Shufu am Samstag in einer Mitteilung.

Der chinesische Milliardär hatte zuvor knapp 9,7 Prozent der Daimler-Anteile erworben und war damit auf einen Schlag zum größten Einzelaktionär geworden. Eine weitere Aufstockung sei bis auf weiteres nicht geplant, hieß es.

"Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie", betonte Li. Man brauche Freunde und Partner, um diesen "Eindringlingen von außen" mit vereinten Kräften zu begegnen. "Es ist Zeit für ein neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision."

Der Henry Ford Chinas

Der Name des Autoherstellers Geely ist vom chinesischen Wort "jili" abgeleitet, was "Glück" oder "glückverheißend" bedeutet. An der Spitze des privaten Unternehmens steht Li Shufu, der die chinesische Autobranche umgekrempelt hat.

Für viele Chinesen gilt Li als ein Idol, weil er vor allem durch Fleiß und harte Arbeit zu Reichtum gekommen sei. Allein im vergangenen Jahr hat sich das Vermögen des 54-Jährigen laut US-Magazin "Forbes" auf 17 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht, weil die Aktie von Geely an der Börse zu einem Höhenflug ansetzte.

1981 lieh sich Li Shufu als 18-Jähriger 120 Yuan - heute zwölf Euro - von seinem Vater, einem Reisbauern. Er kaufte eine Kamera und machte mit Fotos erste Geschäfte. Die eigentliche Unternehmer-Karriere von begann dann Mitte der 80er Jahre, als er mit Freunden eine Fabrik für Kühlschrankteile gründete. Später bauten die jungen Unternehmer Motorräder aus Taiwan nach.

1998 erhielt der "chinesische Henry Ford", wie ihn einige heute nennen, die Lizenz zur Autoherstellung. Seine Firma - nun unter dem neuen Namen Geely - startete mit der Produktion von Fahrzeugen. Während Li Shufu der wachsenden chinesischen Mittelklasse seine Autos hoch profitabel verkaufte, konnte er mit seiner Qualität in Europa und den USA lange nicht überzeugen. Um dennoch den Einstieg in den ausländischen Markt zu schaffen, kaufte sich Geely 2010 bei Volvo ein.

Für die damals in Zahlungsnöten steckenden Schweden war das ein Glücksfall. Dank des verbesserten Zugangs zum chinesischen Markt zogen die Verkäufe in den Folgejahren kräftig an.

Zuletzt setzte Li Shufu seine Expansion im Ausland mit Übernahmen von London Taxi sowie der britischen Sportwagenmarke Lotus fort. Mit der neuen Marke Lynk will der Geely-Konzernchef ab 2019 zudem den europäischen Automarkt noch stärker in Angriff nehmen.

Li Shufu überholt Staatfonds von Kuwait als größter Anteilseigner

Seit Wochen wurde spekuliert, der umtriebige Geely-Chef könne einen Großeinstieg beim Dax -Konzern planen. Bisher war der Staatsfonds von Kuwait mit 6,8 Prozent größter Anteilseigner, einen richtigen Ankeraktionär hat der Konzern nicht.

Als Markt hat Daimler mit China in den vergangenen Jahren hervorragende Erfahrungen gemacht. Nachdem die Stuttgarter der Konkurrenz von BMW und Audi im wichtigsten Automarkt der Welt zunächst hinterherfuhren, bauten sie unter anderem das Vertriebsnetz kräftig um und profitieren seitdem von blendenden Wachstumsraten im Absatz. Auch bei Daimler Börsen-Chart zeigen ist China mittlerweile der wichtigste Einzelmarkt.

Ende des vergangenen Jahres wurde Geely auch beim Nutzfahrzeughersteller Volvo Trucks zum größten Aktionär. Der Finanzinvestor Cevian verkaufte sein gesamtes Aktienpaket von 8,2 Prozent und 15,6 Prozent der Stimmrechte an Volvo Trucks nach China. Bis 1999 gehörten Pkw- und Lkw-Produzent noch zusammen, seitdem nutzen sie lediglich die Marke gemeinsam.

Geely will Internationalisierung vorantreiben

Mit dem Kauf der Volvo-Pkw, die Geely 2010 vom US-Autobauer Ford übernahm, wurden die Chinesen zum ersten ernstzunehmenden Akteur auf dem globalen Automarkt. Der Schweden-Marke hat der Geely-Einstieg vor acht Jahren bislang genützt, weil Volvo nach dem Deal seinen Absatz auf dem chinesischen Markt deutlich ankurbeln konnte.

Zuletzt segnete die chinesische Konzernmutter eine Abkehr vom reinen Verbrennungsmotor bei Volvo ab. Als erste große Traditionsmarke will der schwedische Autobauer neue Modellreihen ab 2019 nur noch mit elektrifizierten Antrieben fertigen, wozu Elektroautos, Hybridmotoren und Verbrenner mit einem unterstützenden Elektromotor (sogenannte Mildhybride) gehören.

Der Schwenk ist bei Volvo vor allem eine Reaktion auf die neuen Marktgegebenheiten in China. Dort hat die Regierung eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Verkauf von Autos mit alternativen Antrieben anzukurbeln. In von Smog geplagten Großstädten wie Peking und Shanghai ist kaum noch an neue Nummernschilder für Autos mit Benzinmotor zu kommen. Käufer von E-Autos profitieren kräftig von staatlichen Subventionen.

Zudem verordnete die Regierung im September eine Produktionsquote. Nach einem Punktesystem müssen demnach ab 2019 zehn Prozent der hergestellten Fahrzeuge über einen Hybridantrieb oder einen reinen Elektromotor verfügen. Anders als die meisten deutschen Hersteller hat Geely deshalb schon seit längerem eine ganze Reihe von Fahrzeugen mit E-Antrieben im Sortiment. Geely gilt nicht als knauserig, wenn es darum geht, mit hohen Investitionen neue Wege zu beschreiten - wie auch bei Volvo.

la/dpa

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