Donnerstag, 13. Dezember 2018

Zölle und Rechtskosten belasten Daimler-Gewinn bricht um 30 Prozent ein

Daimler glänzte in abgelaufenen Quartal nicht mehr

Der Gewinn von Daimler ist im zweiten Quartal wegen Belastungen durch Zölle und andere Sondereffekte eingebrochen - allerdings stärker als erwartet. Der Konzern bestätigt die gesenkte Jahresprognose, prognostiziert aber einen fallenden Pkw-Absatz für das Gesamtjahr.

Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler Börsen-Chart zeigen hat im abgelaufenen zweiten Quartal hohe Sonderbelastungen zu spüren bekommen. Weil für den Vergleich im Rechtsstreit um das Lkw-Mautsystem Toll Collect hohe Kosten (rund 418 Millionen Euro) anfielen und der Konzern unter anderem in China höhere Rabatte geben musste, sackte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um 29 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro ab, teilte Daimler am Donnerstag in Stuttgart mit.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rutschte um 30 Prozent auf 2,64 Milliarden Euro ab. Von Reuters befragte Analysten hatten für April bis Juni ein Ebit von 2,77 Milliarden Euro prognostiziert. Der Umsatz ging trotz eines höheren Fahrzeug-Absatzes insgesamt um ein Prozent auf 40,76 Milliarden Euro zurück. Hier hatte der Markt mit während der Markt mit 42 Milliarden Euro kalkuliert hatte.

Daimler bestätigte die kürzlich gesenkte Ergebnisprognose. Daimler erwartet seither einen leichten Rückgang des Betriebsergebnisses, das heißt um 5 bis 10 Prozent, gegenüber den 14,7 Milliarden Euro des vergangenen Jahres. In dieser Woche hatten auch Fiat Chrysler und General Motors ihre Jahresprognosen zurückgenommen, zum Teil wegen des Handelsstreits.

Aktie steigt, Erleichterung über Abkommen von EU und USA

Dennoch gewann die Aktie von Daimler zu Handelsbeginn 1,6 Prozent. Die anderen Autobauer legten stärker zu - an der Börse herrschte Erleichterung über die Vereinbarung von US-Präsident Donald Trump mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die von Trump angedrohten Autozollerhöhungen vorerst auf Eis zu legen.

Neben dem Diesel-Rückruf des Vans Vito und anderer Modelle wegen der umstrittenen Abgasbehandlung nagten am Gewinn des Auto- und Nutzfahrzeugherstellers die Zollsenkung am wichtigsten Einzelmarkt China. China hatte die Zölle auf Autos aus Europa zum 1. Juli gesenkt hat, doch warteten die Kunden zunächst ab, weil sie die verständlicherweise die alten Preise nicht mehr zahlen wollten.

Die Umsatzrendite brach auf 8,4 Prozent ein gegenüber 10,0 Prozent vor Jahresfrist. Ab Juli greift dann die Zoll-Erhöhung Chinas auf Importe aus den USA auf 40 Prozent, das verteuert die in Amerika gebauten und nach China gelieferten Mercedes-SUVs und war ein wesentlicher Grund für die Gewinnwarnung vor einem Monat.

Der dickste Brocken unter den Sonderfaktoren sind Kosten in Höhe von 418 Millionen Euro für die Schlichtung nach jahrelangem Streit mit der Bundesregierung wegen des verspäteten Starts des Mautsystems Toll Collect. Ein Brand bei einem Zulieferer in den USA im Mai sorgte für Lieferausfälle, sodass der Absatz des Weltmarktführers an seinem zweitwichtigsten Markt deutlich sank und die globale Verkaufszahl eines Monats erstmals seit mehr als fünf Jahren im Vorjahresvergleich schrumpfte, und zwar um 2,6 Prozent.

Pkw-Absatz im Gesamtjahr soll sinken

Von April bis Juni lag der Pkw-Absatz mit knapp 591.000 ein Prozent unter Vorjahr. Daimler senkte die Prognose für den Pkw-Absatz im Gesamtjahr und rechnet damit, nur noch den Vorjahresstand zu erreichen. Grund dafür sei unter anderem die Zertifizierung der Autos nach dem neuen Standard WLTP, die zu Verzögerungen im Modellangebot führt. Der Gesamtabsatz einschließlich Nutzfahrzeuge und Vans belief sich auf 833.000 Fahrzeuge, ein Plus von einem Prozent zum Vorjahresquartal.

Daimlers Betriebsgewinn schrumpfte damit schon das zweite Quartal in Folge - im ersten Halbjahr beläuft sich das Minus beim Ebit auf 21 Prozent . Analysten gingen bisher im Schnitt von einem Rückgang auf Jahressicht von rund 4,5 Prozent aus. Dabei könnte es nach Einschätzung von Experten aber nur bleiben, wenn die USA nicht die von Präsident Trump angekündigte Zollerhöhung auf Autoimporte aus Europa verhängen.

Netto verdiente Daimler mit 4,2 Milliarden Euro knapp ein Fünftel weniger als vor Jahresfrist. Nach wie vor stecken die Stuttgarter Milliarden in die Entwicklung selbstfahrender, elektrifizierter und vernetzter Autos. Finanzchef Bodo Uebber erklärte, das Unternehmen habe genug Liquidität und Finanzkraft, um weiter in neue Technologien zu investieren. Vor wenigen Tagen erst hatte der Konzern sich eine Kreditlinie von elf Milliarden Euro gesichert, zwei Milliarden mehr als der vorzeitig abgelöste Finanzrahmen.

Rei/Reuters/dpa

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