Sonntag, 20. Mai 2018

Peinliches Einknicken Daimler löscht Dalai-Lama-Zitat und löst Kontroverse aus

"Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener": So was hört man im kommunistischen Peking nicht gern, und schon löscht Daimler den harmlosen Spruch des geistigen Führers von Tibet in einer Werbung, um seine Geschäftsinteressen nicht zu gefährden

Wer auf dem weltgrößten Automarkt China Geschäfte machen will, sollte am besten noch nicht einmal an den Dalai Lama denken - geschweige denn mit ihm werben. Das hat Daimler nicht bedacht und macht jetzt einen "beschämenden Kotau vor der Diktatur", erzürnen sich Kritiker.

Der deutsche Autobauer Daimler hat eine Kontroverse ausgelöst, weil er sich in China für die Nutzung eines Dalai-Lama-Zitates entschuldigt hat. Die Menschenrechtsorganisation International Campaign for Tibet (ICT) bezeichnete die Entschuldigung in einer Mitteilung am späten Dienstagabend als einen "beschämenden Kotau vor der Diktatur."

Daimler hatte zuvor auf Instagram ein Bild eines Mercedes zusammen mit dem Schriftzug "Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener" veröffentlicht, ein Zitat des tibetischen Führers. Eine Sprecherin des Autobauers bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Beitrag gelöscht wurde, nachdem es Beschwerden nationalistischer, chinesischer Internetnutzer gab.

Damit sich Vorfälle dieser Art nicht wiederholen, werde man "sofort Maßnahmen ergreifen, um das Verständnis der chinesischen Kultur und Werte zu vertiefen", hieß es zudem in einer auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo von Mercedes verbreiteten Mitteilung.

Kritik für die Entschuldigung erntete der Autobauer auch von Michael Bran, dem Menschenrechtspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Wenn Rückgratlosigkeit ausgezeichnet werden würde, dann hätten die Mercedes-Manager den ersten Preis für ihr peinliches Verhalten verdient", teilte Brand mit. "Der Konzern sollte sich nicht bei der chinesischen Regierung entschuldigen, sondern schleunigst beim Dalai Lama und den Tibetern."

Zuletzt gab es eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle, bei denen sich ausländische Firmen nach Kritik aus China entschuldigen mussten, darunter die Hotelkette Marriott und die Fluggesellschaft Delta.

Rei/dpa

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