Samstag, 18. August 2018

Dieter Zetsche beim Verkehrsminister zum Rapport Daimler-Chef - "Es war ein gutes Gespräch"

Dieter Zetsche erschien am Montag beim Bundesverkehrsministerium. Minister Scheuer forderte von dem Manager möglichst rasch Aufklärung

Gibt es nach dem beanstandeten Mercedes "Vito" weitere Modelle, wo Daimler eine unzulässige Abschalteinrichtung genutzt haben könnte? Darüber will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schnell Klarheit, sagte er Dieter Zetsche, der zum Rapport nach Berlin gekommen war. In 14 Tagen treffen sich die beiden wieder - dann wohl mit Ergebnissen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Daimler-Chef Dieter Zetsche haben sich auf eine eingehendere Prüfung der vom Rückruf betroffenen Diesel-Fahrzeuge verständigt. Damit solle die genaue Zahl der betroffenen Modelle ermittelt werden, erklärte Scheuer nach einem Gespräch mit Zetsche am Montag in Berlin. Bei einem weiteren Treffen in 14 Tagen sollten die Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Scheuer hatte den Daimler-Chef zu sich beordert, weil das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vorige Woche einen Rückruf zum Mercedes-Van Vito wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung angeordnet hat. Daimler ist zum Rückruf bereit, bestreitet aber, dass es sich um eine rechtlich nicht zulässige Funktion handelt. "Es war ein gutes Gespräch, wie sehen uns in 14 Tagen wieder", sagte Zetsche beim Verlassen des Ministeriums.

"Bild am Sonntag" hatte zuvor berichtet, dass voraussichtlich rund 120.000 Daimler-Dieselfahrzeuge auf mögliche unzulässige Abschalteinrichtungen untersucht werden müssten. Dabei handele es sich um weltweit rund 40.000 Motoren im "Vito" und 80.000 in der "C-Klasse". Scheuer hatte nach eigenen Worten das KBA angewiesen, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen. "Ich erwarte, dass Mercedes seinen Kunden gegenüber Klarheit schafft."

Audi-Chef Rupert Stadler schließt weitere Rückrufe nicht aus. Der "Augsburger Allgemeinen" sagte er: "Neue Rückrufe sind nicht die Folge von Untätigkeit, sondern im Gegenteil das Ergebnis konsequenter Aufklärung." Der Audi-Chef forderte in der Debatte um Fahrverbote eine bundeseinheitliche Regelung.

Umweltministerin schlägt Stufenplan für Umrüstung vor

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) indes geht im Diesel-Abgasskandal einen Schritt auf die Autohersteller zu. "Mir geht es nicht darum, sofort flächendeckend in Deutschland alle Diesel nachzurüsten", sagte Schulze der "Welt" (Online, Print: Montag). Sie plädiere vielmehr für einen Stufenplan für die technischen Umbauten an Motoren.

Zunächst sollten gezielt Fahrzeuge dort nachgerüstet werden, "wo die Luft besonders schlecht ist". Auf diese Weise könnten Fahrverbote verhindert und der finanzielle Aufwand begrenzt werden. "Die Gesamtkosten lägen dann eher im niedrigen einstelligen Milliardenbereich", sagte Schulze.


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Sie sieht die Automobilindustrie in der Pflicht, verfügt allerdings über keine rechtliche Handhabe. "Es gibt keine Möglichkeit, sie zu zwingen", sagte Schulze. Die Hersteller wollen nur mit Softwareupdates die Schadstoffe senken. Hardwarenachrüstungen, also Umbauten direkt am Motor, lehnen sie als zu aufwendig und teuer ab.

Wegen hoher Stickoxide drohen an einigen Straßen besonders belasteter Großstädte Fahrverbote. Für die Luftverschmutzung macht die Politik den Verkehr und dabei besonders ältere Dieselautos verantwortlich.

rei/dpa

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