Donnerstag, 21. Februar 2019

Ausblick auf 2019 Wie Daimler-Chef Zetsche seinen Abschied vorbereitet

Daimler-Chef Dieter Zetsche übergibt im Mai die Geschäfte an seinen Nachfolger Ola Källenius

Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler steht vor einem Jahr der Weichenstellungen. An diesem Mittwoch (6. Februar) hat der langjährige Daimler-Chef Dieter Zetsche zum letzten Mal Gelegenheit, mit dem Ausblick auf das neue Jahr die Weichen im Tagesgeschäft zu stellen - zur Hauptversammlung im Mai reicht er seinen Posten an Nachfolger Ola Källenius weiter.

Das vergangene Jahr ist für die Aktionäre von Daimler Börsen-Chart zeigen jedenfalls ernüchternd ausgefallen, zwei Gewinnwarnungen mussten Zetsche und Finanzchef Bodo Uebber den Anlegern verkaufen. Die Aktie gab deutlich nach, und auch eine Kürzung der Dividende ist möglich. Die wichtigsten Baustellen bei Daimler Börsen-Chart zeigen im Überblick:

DIE LAGE DES UNTERNEHMENS:

Nach Jahren der Rekorde war bei den Stuttgartern 2018 ein Sturm aufgezogen. In China kostete der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Zollstreit mit Peking viel Geld - weil auf die im US-Werk in Tuscaloosa (Alabama) hergestellten teuren SUVs nun höhere Zölle in China entfallen und Daimler die Preiserhöhungen nicht vollständig an die Kunden weitergeben kann. Hinzu kamen auch noch Kosten für Dieselrückrufe und für das früher verwendete Kältemittel R134a. Der neue Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP belastete ebenfalls, weil nicht alle Modelle den Kunden angeboten werden konnten.

Der Rückgang der Absatzzahlen in einigen Monaten seit dem Sommer hätte den Konzern beinahe auch auf Jahressicht ein Absatzminus eingebrockt. Zudem konnte Rivale BMW bei den Premiumautos etwas Boden gut machen, wenn auch der Rückstand der Münchener auf die Stuttgarter noch deutlich ausfällt. Im Jahr 2020 will BMW die eigene Hausmarke wieder vor Mercedes-Benz sehen. 2016 hatten die Münchener die Krone im weltweiten Verkauf von Premiumautos an Daimler verloren.

DAS ERWARTET DAS UNTERNEHMEN:

Auch mal locker: Zetsche auf der Detroit Motor Show

Finanzchef Uebber hat ein deutlich sinkendes Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern 2018 eingeplant. Bei Daimler bedeutet das bisher über 10 Prozent Rückgang (VJ 14,3 Mrd). Das gilt auch für die Autosparte Mercedes-Benz Cars, für die Vans und die Busse. Bei den Autos wird ein Umsatz auf Vorjahresniveau angepeilt. Insgesamt steht noch ein leichtes Umsatzwachstum für den Konzern im Plan, das vor allem aus der Lastwagensparte, von den kleinen Nutzfahrzeugen und den Finanzgeschäften kommen soll.

Zudem hat sich das Unternehmen vorgenommen, einen Zufluss freier Mittel aus dem Industriegeschäft zu erreichen, der deutlich über dem Vorjahreswert von 2 Milliarden Euro liegt - und der auch die Dividendenzahlung 2018 übersteigt, die bei 3,9 Milliarden Euro lag. Nach den ersten neun Monaten hatte Daimler aber einen Abfluss von 60 Millionen Euro zu verzeichnen. Im vierten Quartal muss Daimler also unter anderem durch den Lagerabbau von Vorräten in der Autosparte einen Geldzufluss von rund 4 Milliarden Euro erreichen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Der Cashflow im Industriegeschäft ist vor allem wichtig für die Dividende, auf die Anleger bei Daimler spekulieren. Für das Jahr 2017 zahlten die Stuttgarter 3,65 Euro je Aktie. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Montag befragten Analysten rechnen für das vergangene Jahr nur mit 3,46 Euro. Der Jahresschluss sei dank der Auto- und der Lkw-Sparte zwar besser gewesen als das dritte Quartal, schrieb Morgan-Stanley-Analyst Harald Hendrikse. Dennoch rechnet er wegen der übers Jahr gesehen schwächeren Gewinne mit einer möglichen Dividendenkürzung auf sogar 3 Euro.

Jeder wisse, dass das vierte Quartal und auch der Start ins neue Jahr für die europäische Autoindustrie schwach ausfallen werde, schrieb Patrick Hummel von der UBS. Auch er hält eine stabile Daimler-Dividende für "nicht realistisch", weil es eine große Abweichung vom Ziel einer 40-prozentigen Ausschüttungsquote wäre. 2019 dürfte Daimler dann davon profitieren, dass die zahlreichen Sonderkosten aus dem Vorjahr wegfielen, und dass der Sonderertrag des Carsharing-Joint-Ventures mit BMW mit 0,7 Milliarden Euro nun in das erste Quartal falle.

Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis sollte aber weiter zurückgehen, so der Branchenexperte. Allein Währungseffekte und Rohmaterialkosten würden den Konzern im laufenden Jahr mit rund einer Milliarde Euro belasten.

2018 dürfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um ein Sechstel auf 12,1 Milliarden Euro geschrumpft sein, wenn es nach den durchschnittlichen Analystenschätzungen geht. Beim Umsatz steht demnach ein kleines Plus von 1,4 Prozent auf 166,5 Milliarden Euro zu Buche. Für das laufende Jahr rechnet die Analystenschar dann mit einem Umsatzanstieg von 2 Prozent auf knapp 170 Milliarden Euro, das berichtete Ergebnis vor Zinsen und Steuern sollte um gut 10 Prozent auf 13,2 Milliarden wieder zulegen.

Insbesondere die Zielsetzung für die Marge der Mercedes-Benz-Sparte dürfte Analysten interessieren. Daimler geht mit dem neuen Jahr dazu über, Margenziele für die Sparten anzugeben. Der Konzern hat die Ambition, bei Mercedes 10 Prozent zu erreichen. Hummel geht davon aus, dass der Konzern mit seiner Prognose aber auch unterhalb der mittelfristigen Spanne von 8 bis 10 Prozent bleiben könnte.

SO LIEF DIE AKTIE ZULETZT:

Schlecht - wie im vergangenen Jahr nahezu alle Autowerte. Vom Jahreshoch 2018 bei über 76 Euro im Januar ging es nahezu kontinuierlich nach unten, über das gesamte Jahr stand ein Minus von 35 Prozent zu Buche. Im neuen Jahr hat die Aktie bisher rund 14 Prozent gewonnen, liegt mit gut 52 Euro aber immer noch deutlich unter ihren Vorjahreshochs. Källenius könnte aber als neuer Chef mit der Übernahme der Amtsgeschäfte in Stuttgart Akzente setzen, schrieb Hendrikse von Morgan Stanley - und so auch dem Aktienkurs wieder etwas auf die Beine helfen.

la/dpa-afx

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