Montag, 30. Mai 2016

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Angriff von Apple und Google "Die Autobauer müssen sich verbünden - ihnen bleibt keine andere Wahl"

Audi Sport Quattro Concept Car: "Die Autoindustrie steht gleich vor mehreren Brüchen. So geballt gab es das bislang nie"

Daimler, BMW und Volkswagen müssen Milliarden investieren - für neue Software, digitalen Vertrieb und sparsamere Antriebe. Zugleich mischen neue Rivalen wie Google und Apple die Autobranche auf. Die deutschen Hersteller müssen Bündnisse mit ihren Konkurrenten schließen, meint Klaus Stricker, Autoexperte bei Bain: Sonst werden sie überrollt.

mm: Milliardenausgaben für neue, sparsamere Antriebe; aggressive und kapitalstarke Angreifer wie Google und Apple; eine chinesische Regierung, die profitable Geschäftsbereiche beschneidet. Herr Stricker, wie gefährlich sind solche Trends für aktuell erfolgreiche Premiumhersteller wie Daimler, BMW und Audi?

Klaus Stricker: Ziemlich gefährlich. Zumindest, wenn sie die Situation nicht ernst genug nehmen. Jede dieser Entwicklungen für sich genommen wäre verkraftbar. Das kostete bei intelligenter Reaktion vielleicht ein wenig Rendite, mehr nicht. Aber die Autoindustrie steht in den kommenden Jahren gleich vor mehreren Brüchen. So geballt gab es das bislang nie.

mm: Neue Entwicklungen verlangen häufig nach neuen Geschäftsmodellen; insbesondere, wenn sie revolutionäres Potenzial haben wie etwa der Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb. Wie sollten die Hersteller reagieren?

Stricker: Die Autobauer müssen sich verbünden. Dieser Umbruch ist so teuer, dass ihnen keine andere Wahl bleibt. Die Konzerne müssen gleichzeitig Milliarden Euro investieren, um die durchschnittlichen CO2-Emissionen der von ihnen verkauften Autos in Europa auf höchstens 95 Gramm pro Kilometer zu senken; sie müssen in diversen US-Bundesstaaten vollkommen saubere Autos auf den Markt bringen. Sie müssen neue Software-Architekturen entwickeln, sie müssen ihren Vertrieb auf die digitale Welt umstellen, sie müssen auf neue soziologische Trends reagieren. Ein Automobilgigant wie Volkswagen kann das vielleicht stemmen, wenn er die Kräfte seiner Marken bündelt. Für alle anderen aber gilt: Alle diese Herausforderungen gleichzeitig werden die einzelnen Hersteller überfordern. Sie müssen kooperieren.

  • Copyright: Florian Renner für manager magazin
    Florian Renner für manager magazin
    Wer gewinnt den Kampf der Kulturen in der Autoindustrie? Nicht nur Tesla, auch Google und Apple treten gegen Audi, BMW und Mercedes an. Lesen Sie den ausführlichen Report im aktuellen manager magazin.
mm: Das hat bislang nie funktioniert.

Stricker: Dann muss man es besser machen. Schauen Sie auf neue Rivalen wie Google Börsen-Chart zeigen oder Apple Börsen-Chart zeigen. Diese Internet-Konzerne denken und arbeiten in viel kürzeren Zyklen als die Autohersteller. Sie sind schneller, aggressiver und haben mehr Geld als Daimler Börsen-Chart zeigen oder BMW Börsen-Chart zeigen. Wer mit diesen Unternehmen allzu bereitwillig und nachgiebig kooperiert, holt sich den Feind ins eigene Haus. Auch wenn es den Autobauern schwer fällt: es verspricht mehr Erfolg, sich mit Konkurrenten zu verbünden und ein gemeinsames Konzept anzubieten. Das gilt auch für Software-Architekturen.

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