Samstag, 18. August 2018

Daimler-Kleinwagentochter verliert Chefin Warum Annette Winkler bei Smart abtritt

Smart-Chefin Annette Winkler in einem Smart Brabus tailor made

Auf der Bühne verkaufte sie ihre Kleinwagen-Marke ebenso energisch wie leidenschaftlich, in Interviews feuerte sie auch gerne mal eine Gegenfragen-Salve ab: Mangelnden Enthusiasmus für ihre Kleinwagenmarke konnte man Smart-Chefin Annette Winkler wirklich nicht vorwerfen.Nun hat die quirlige 58-jährige ihren Abgang als Smart-Chefin eingeleitet - ebenso überraschend wie unprätentiös. Per Pressemitteilung gab Daimler gestern bekannt, dass Winkler ab Ende September "ihre Aufgabe als Leiterin Smart beendet" . Einen Nachfolger wollen die Stuttgarter erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

Damit verliert Daimler eine Vorzeige-Managerin. Zwar saß Winkler nicht im Daimler-Vorstand. Doch auf Automessen trat Winkler häufig neben Daimler-Chef Dieter Zetsche ins Rampenlicht. In ihren acht Jahren als Smart-Chefin war Winkler wohl eine der weiblichen Führungskräfte bei Daimler, die am stärksten öffentliche Präsenz zeigten.

Knapp eineinhalb Jahre trennen die 58-jährige Winkler noch von ihrem 60. Geburtstag - jener Altersgrenze, zu der die Stuttgarter ihre Topmanager gerne Richtung Rente verabschieden. Für die Vorstandsspitze gilt das allerdings aktuell nicht: Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche ist aktuell 65 Jahre alt - sein Vertrag läuft noch bis Ende 2019.

Warum also der verfrühte Abgang von Winkler? Offiziell begründete die Smart-Chefin ihren Abschied so: Führungskräfte müssten den richtigen Zeitpunkt erkennen, an dem sie die Leitung an die nächste Generation übergeben. Und in ihrem Fall sei dieser Zeitpunkt nun gekommen.

Das klingt nach dem Grundsatz, besser dann zu gehen, wenn es am schönsten ist - oder zumindest noch halbwegs gute Bedingungen herrschen. Diese Version stützen Insider bei dem Stuttgarter Autobauer. Laut Informationen von manager-magazin.de soll Winkler bereits vor mehreren Wochen im kleinen Kreis erklärt haben, einen schnellen Abschied zu erwägen. Sie soll dies aus freien Stücken getan haben - wohl auch, weil die Vorzeichen für die kommenden Quartale für sie nicht allzu rosig waren.

Gegenwind für Smart frischt in kommenden Quartalen auf

Denn in den kommenden Monaten muss Smart, das lange Jahre das Sorgenkind der Stuttgarter war, mit einigem Gegenwind rechnen. Daimler will seine Kleinwagenmarke im Eiltempozur reinen Elektroauto-Marke machen - bis 2020 will Smart ausschließlich Fahrzeuge mit Batterieantrieb bauen. Die Nachfrage nach den E-Stadtwagen ist zwar europaweit und auch in Deutschland hoch.

Doch Smart bekommt laut den Kreisen aktuell zu wenige Batterien und Elektromotoren geliefert. Die Folge sind lange Wartezeiten: So ist die E-Smart-Produktion in Deutschland bereits für dieses Jahr - und für die ersten Monate 2019 komplett ausverkauft. Smart habe die Nachfrage unterschätzt und zu konservativ geplant, heißt es aus dem Konzern - und für die nächsten Quartale sei da nicht allzu viel zu machen.

Die große Umstellung auf E-Antrieb schlägt sich offenbar auch auf die Verkäufe konventioneller Fahrzeuge durch. Bis Ende April 2018 wurden gut 9 Prozent weniger Smarts verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit der Umstellung auf reinen Batterieantrieb werden die Smart-Verkaufszahlen in den kommenden Quartalen eher sinken oder bestenfalls stagnieren - ein Szenario, das für Winkler wohl nicht allzu attraktiv sein dürfte.

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