Montag, 18. Juni 2018

US-Ermittler finden offenbar Schummelsoftware Daimler soll bei Diesel-Abgastests getrickst haben

Wie sauber sind sie wirklich? US-Ermittler sollen in Dieselfahrzeugen von Daimler betrügerische Software gefunden haben

Daimler droht immer tiefer in den Sog des Diesel-Abgasskandals zu geraten. So soll der Stuttgarter Autobauer in seinen Diesel-Fahrzeugen ebenfalls spezielle Software zur Schadstoffregulierung eingebaut haben, berichtet die "Bild am Sonntag" (BamS) unter Verweis auf vertrauliche Unterlagen aus US-Ermittlungsakten.

Dem Bericht zufolge existierten bei Daimler gleich mehrere Software-Funktionen, um die gängigen US-Abgastests auf dem Prüfstand zu bestehen. Eine Funktion namens "Bit 15" sei so programmiert worden, dass die Abgas-Nachbehandlung nach 26 Kilometern den sauberen Modus verlassen habe.

Die US-Ermittler stießen noch auf eine weitere verdächtige Funktion, die im Fahrzeugkontrollsystem steckt. Dieser sogenannte "Slipguard" erkenne anhand von Geschwindigkeit oder Beschleunigungswerten, ob das Fahrzeug auf einem Prüfstand stehe. In diversen E-Mails hätten selbst Daimler-Ingenieure daran gezweifelt, dass diese Software-Funktionen legal seien.

Daimler-Ingenieure sollen schon sehr früh Zweifel geäußert haben

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Abgastricks wie bei Volkswagen stets zurückgewiesen. Laut der "BamS" offenbaren die Dokumente allerdings auch, dass Daimler-Mitarbeiter bereits vor der VW-Dieselaffäre daran zweifelten, die US-Grenzwerte bei Straßentests einhalten zu können. Interne Messungen hätten später teils verheerende Ergebnisse ergeben. Mercedes-Modelle hätten im Straßenbetrieb die Stickoxid-Grenzwerte um mehr als das Zehnfache überschritten.

Auf Anfrage der Zeitung äußerte sich der Konzern nicht zu der Software. Daimler werde sich zu "Details der laufenden Untersuchung" nicht äußern, da der Konzern mit dem US-Justizministerium "absolute Vertraulichkeit" vereinbart habe, sagt ein Sprecher der "BamS". "Wir kooperieren seit über zwei Jahren vollumfänglich und sorgen für umfassende Transparenz", fügte der Sprecher hinzu.

Zu den Grenzwertüberschreitungen in internen Messungen sagte der Sprecher: "Den Behörden sind die Dokumente bekannt und es ist zu keiner Anklage gekommen."

rei/AFP/Reuters

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