Dienstag, 20. November 2018

Nach zwei Gewinnwarnungen Gewinnprognose bei Continental wackelt erneut

Continental rechnet weiter mit schwierigem Marktumfeld

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental Börsen-Chart zeigen sieht nach einem schwachen dritten Quartal auch für den Jahresschluss Risiken. Weil die Autoproduktion weltweit derzeit schwächelt, stellt der Dax -Konzern die derzeitige Prognose für den Jahresumsatz von rund 44,5 Milliarden Euro unter Vorbehalt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Sollte der negative Trend in der Branche im vierten Quartal zunehmen, bestehe ein Risiko, das Ziel nicht zu erreichen.

Anleger reagierten geschockt. Im August hatte Continental die Gewinnprognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt, weil es unter anderem in China schwächer läuft als gedacht. Bis Donnerstag Mittag baute die Aktie von Continental ihre Verluste deutlich aus und fiel auf 141 Euro. Im Juni hatte die Aktie noch bei 222 Euro notiert - binnen 5 Monaten hat Continental rund ein Drittel des Börsenwertes eingebüßt.

Absatzflaute in China und Europa macht Continental zu schaffen

JP Morgan-Analyst Jose Asumendi schrieb zwar, beim Umsatz für das dritte Quartal habe der Autozulieferer wie erwartet abgeschnitten. Doch die Aussichten für Conti sind nicht rosig. "Seit knapp zehn Jahren haben wir im abgelaufenen Quartal zum ersten Mal einen substanziellen Rückgang der weltweiten Fahrzeugproduktion gesehen", sagte Continental-Finanzchef Wolfgang Schäfer nun.

In China habe der Rückgang der Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen demnach im dritten Quartal bei 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gelegen, in Europa bei 6 Prozent. Die Fahrzeugproduktion in Nordamerika hingegen legte um 2 Prozent zu. China und Europa stünden jedoch zusammen für mehr als die Hälfte der globalen Fahrzeugproduktion. So rechnet Conti auch für das vierte Quartal mit einem Rückgang der Autoproduktion.

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Im abgelaufenen dritten Quartal sorgten die Probleme für einen Gewinnrückgang unter dem Strich von gut 14 Prozent auf 626,1 Millionen Euro. Der Umsatz war wie bereits bekannt um 0,9 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro geklettert, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern war um gut 30 Prozent auf 771,8 Millionen Euro abgesackt. Angesichts der Marktschwäche in China und Europa sei das leichte Umsatzplus ein gutes Zeichen, befand Degenhart. Auch die mit knapp 30 Milliarden Euro knapp auf Vorjahresniveau liegenden Auftragseingänge für Automobilelektronik seien ermutigend, betont Continental. Um auf Kurs zu bleiben seien umfassende Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz eingeleitet worden.

Brandbrief an die Manager

Conti-Chef Degenhart verwies dabei auf bereits eingeleitete Kostensenkungen. Unter anderem hatte Conti im Geschäftsbereich Conti-Tech, in dem das Unternehmen etwa Kunststoffleitungen und Fördergurte herstellt, ein Sparprogramm aufgelegt, um den Bereich laut Schäfer in Richtung Umsatzrendite von 10 Prozent zu bringen. 2020 sollen die Maßnahmen 150 Millionen Euro an Einsparungen bringen.

Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart schickte im September einen Brandbrief an seine Manager
picture alliance / dpa
Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart schickte im September einen Brandbrief an seine Manager

In der Antriebstechnik, bei der Conti für das kommende Jahr die Abspaltung und einen Teilbörsengang im Auge hat, entstand im dritten Quartal ein operativer Verlust von 68 Millionen Euro. Beim Erlös sei der Bereich aus eigener Kraft um über 3 Prozent gewachsen, sagte Schäfer. Für den Verlust seien Gewährleistungsrückstellungen verantwortlich, die auch mit Blick auf die Pläne zu einem Börsengang gemacht worden seien.

Im Gesamtjahr geht Conti auch in der Reifensparte von etwas höheren Belastungen durch gestiegene Rohstoffpreise aus, statt 50 Millionen Euro an Belastungen sind nun 100 Millionen kalkuliert. Für das kommende Jahr sei derzeit noch kein besonderer Gegenwind abzusehen, sagte Schäfer. Jedoch sei das auch von der Entwicklung der Ölpreise abhängig.

Noch im September hatte der Continental-Chef Degenhart in einem Brandbrief an 400 Topmanager des Konzerns gewarnt: "Unsere derzeitige geschäftliche Situation ist sehr ernst", hieß es. (manager magazin Premium berichtet ausführlich über die Hintergründe des Chaos bei Conti) Der interne Brief war auf Deutsch und Englisch verteilt worden. Degenhart prangerte darin unter anderem an, dass Renditevorgaben nicht eingehalten worden seien und forderte mehr Anstrengung seitens der Führungskräfte. Spar- und Effizienzprogramme sind mittlerweile in Arbeit, um die Ziele bis 2020 zu sichern. Oberste Priorität hat dabei die Vermeidung einer dritten Gewinnwarnung. Doch dieses Vorhaben steht offenbar auf tönernen Füßen, wie sich nun zeigt.

dpa/rtr/akn

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