Mittwoch, 24. Januar 2018

Autozulieferer erhöht Prognose Conti will an Diesel-Technik verdienen und erwartet keinen Einbruch

VW-Diesel-Motor im Werk Salzgitter: Der Zulieferer Continental bemerkt vorerst keine größere Nachfrageänderung bei Dieselmotoren

Der Autozulieferer Continental rechnet wegen des Abgasskandals bei Volkswagen derzeit weder in den USA noch in Europa mit größeren Veränderungen der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. Vor allem in Europa, wo Diesel etwa die Hälfte des Automarktes ausmachen, gebe es momentan keine Anzeichen, dass sich die Anteile kurzfristig zugunsten von Benzinern verschieben könnten, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Inwieweit sich das Kaufverhalten langfristig verändern werde, sei schwer vorherzusagen. Für sich selbst sieht Conti derzeit eher Vorteile: Sollten die Hersteller künftig mehr Technik zur Abgasreinigung bei Diesel-Motoren einbauen, könne das dem Zulieferer Rückenwind geben. Angesichts der Entwicklungszeiten von zwei bis drei Jahren, sei jedoch nicht vor 2018/2019 mit positiven Effekten auf das eigene Geschäft zu rechnen.

Volkswagen wird seit Mitte September von seinem bislang größten Skandal erschüttert. Neben getürkten CO2-Werten geht es um den Einsatz manipulierter Software bei Millionen Fahrzeugen, durch die der Schadstoffausstoß niedriger erscheint, als er tatsächlich ist. VW rechnet mit Milliardenbelastungen. An den Zulieferern dürfte das nicht spurlos vorüber gehen. Continental aber erklärte, derzeit keinen größeren Preisdruck von Volkswagen zu spüren. "Die Gespräche laufen wie immer", sagte Schäfer.

Höheres Rendite-Versprechen verpufft an der Börse

Im dritten Quartal steigerte der Dax-Konzern aus Hannover den Betriebsgewinn und hob sein Renditeziel erneut leicht an. An der Börse konnte Conti damit dennoch nicht punkten. Mit einem Minus von zeitweise fast 5 Prozent war die Aktie größter Verlierer im Dax.

Als Grund nannten Börsianer, dass das Quartalsergebnis unter ihren Erwartungen gelegen habe. Der nach Bosch weltweit zweitgrößte Zulieferer hatte den bereinigten Betriebsgewinn um gut 11 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Analysten hatten im Schnitt mit fast 1,2 Milliarden gerechnet. Auch die Anhebung des Ziels für die operative Gewinnmarge auf mehr als 11 Prozent beschwichtigte die Börsianer nicht. "Die Markterwartung lag bereits bei 11,6 Prozent", betonte der Händler.

Den Umsatz steigerte Conti im dritten Quartal um 11 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Unter anderem profitierte der Konzern von steigenden Ausstattungen in Fahrzeugen mit modernster Elektronik. Zudem habe eine robuste Autokonjunktur in Europa und Nordamerika die Wachstumsdelle in China und das rückläufige Industriegeschäft wettgemacht.

Conti, an der der fränkische Wälzlagerspezialist Schaeffler maßgeblich beteiligt ist, profitiert zudem von niedrigen Preisen für Rohöl und Naturkautschuk. Beides zusammen bedeutet für das Unternehmen in diesem Jahr eine Kostenentlastung von 250 Millionen Euro, bisher war das Management von 200 Millionen Euro ausgegangen. Auch der positive Effekt durch die Umrechnung von Fremdwährung in Euro begünstigt den Konzern mit seinen 208.000 Beschäftigten. Der Währungseffekt werde mehr als zwei Milliarden Euro zum Gesamtjahresumsatz von voraussichtlich mehr als 39 Milliarden Euro beitragen. Bisher war Conti hier von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen hier.

In China macht Conti weiter gute Geschäfte

Zuversichtlicher als derzeit fast alle deutschen Autobauer ist der Zulieferer für sein Wachstum in China. Dort ist Continental weniger von der jüngsten Abkühlung betroffen, da er am größten Automarkt der Welt auch viele lokale Fahrzeugproduzenten beliefert.

Während deutsche, japanische und koreanische Autobauer sich in China zuletzt schwer taten, ging es der heimischen Konkurrenz besser. Im vergangenen Jahr fuhr Continental, nach dem Rivalen Bosch weltweit zweitgrößter Zulieferer, mit 3,7 Milliarden Euro rund elf Prozent des Konzernumsatzes in China ein. Bis 2020 peilt der Konzern die Marke von zehn Milliarden Euro an.

rei/reuters/dpa

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