Samstag, 25. Juni 2016

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Trotz Rückrufwellen "Toyota hatte nie ein Qualitätsproblem"

Toyota-Zentrale in Tokio: Der japanische Autoriese hat seine Produktionskosten in vier Jahren um zehn Milliarden Euro gesenkt

Es ist ein bemerkenswertes Comeback: Der japanische Autoriese Toyota hat Millionenrückrufe und Naturkatastrophen weggesteckt und schreibt wieder Rekordgewinne. Toyota-Kenner Jeffrey Liker erläutert im Interview, welche Lehren Toyota zog - und wie sich der Konzern neu aufstellt.

mm: Herr Liker, vor zwei Jahren lag Toyota am Boden: Das Image der Japaner, Autos von hoher Qualität zu bauen, war nach dem Rückruf von Millionen Fahrzeugen angeschlagen. Naturkatastrophen in Japan und Thailand behinderten die Produktion erheblich. Jetzt schreibt Toyotawieder Milliardengewinne und glänzt mit Absatzrekorden. Wie gelang Toyota diese Rückkehr?

Liker: Ich war immer sicher, dass Toyota Börsen-Chart zeigen ein Comeback gelingen würde. Der Konzern litt damals vor allem unter der negativen Berichterstattung in den USA, die kaum etwas mit echten Qualitätsmängeln zu tun hatte. Der Tsunami in Japan war der schlimmste der Geschichte - und traf das Land völlig unerwartet. Als Toyota gerade wieder auf die Beine kam, bremste die Flut in Thailand den Konzern erneut aus. Gut 80 Prozent des Comebacks haben nur damit zu tun, dass der Konzern sich nicht mehr mit Naturkatastrophen herumschlagen muss. Seither hat auch die Weltwirtschaft angezogen, und damit stieg die Nachfrage nach Autos.

mm: Im Jahr 2010 musste Toyota wegen angeblich loser Fußmatten und klemmender Gaspedale Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Wie hat Toyota seine Qualitätsprobleme in den Griff bekommen?

Liker: Es gab nie objektive Anzeichen dafür, dass Toyota ein Qualitätsproblem hatte. Egal welchen Maßstab man heranzieht, ob Umfragen oder Käuferbewertungen: Toyotas Qualität ist nie gesunken. Interne Untersuchungen haben ebenfalls keine Probleme aufgezeigt. So gab es etwa keinen Anstieg bei der Zahl der Kunden, die ihre Neuwagen aus Unzufriedenheit zu den Händlern zurückbrachten.

mm: Es gab also ihrer Meinung nach gar keine Qualitätsmängel?

Liker: Drei Jahre nach der Rückrufkrise hat Toyota in der Verlässlichkeitsstudie von J.D.Powers in sieben von zehn Kategorien gewonnen. Dabei wurden Fahrzeuge untersucht, die drei Jahre alt waren. Entweder sind Toyotas Autos also wie ein guter Wein, der mit der Zeit besser wird - oder es gab diese angeblichen Qualitätsmängel nie.

mm: Dennoch hat Toyotas Ruf unter den Rückrufen schwer gelitten.

Liker: Ja, das Image der Japaner war schlecht - auch aufgrund der Millionenzahl an zurückgerufenen Autos. Aber das hatte nicht mit der Qualität der Fahrzeuge an sich zu tun. Keines der kleinen Probleme, die Toyota zu dem Rückruf veranlassten, führte zu einem Unfall oder zu Todesfällen.

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