Freitag, 14. Dezember 2018

Internationale Energiebehörde prognostiziert höheren CO2-Ausstoß Elektroautos können das Weltklima nicht  alleine retten

Elektroauto BMW i3 an einer Ladesäule

Die Förderung von emissionsfreien Elektrofahrzeugen soll eine wichtige Rolle im weltweiten Kampf gegen die Klimaerwärmung spielen. In Europa verschärft die EU die CO2-Flottenziele für Neuwagen, in China schreibt die Regierung Elektroauto-Quoten vor. Doch ob sich daraus positive Effekte auf das Weltklima ergeben, ist keinesfalls ausgemacht.

Der gerade veröffentlichte jährliche Ausblick der Internationalen Energiebehörde IEA lässt daran zumindest Zweifel zu. Demnach zeigt sich nämlich, dass die stärkere Elektrifizierung der Welt nicht alleine als Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel taugt.

Der stärkere Einsatz von Elektroautos, Elektroheizungen in Gebäuden und die stärkere Stromverwendung in der Industrie dürften zwar dazu führen, dass die weltweite Ölnachfrage ab dem Jahr 2030 nachlässt. So beschreibt es der "World Energy Outlook 2018" der IEA in einem von mehreren untersuchten Szenarien. Auch kann eine solche Elektrifizierung bis 2040 rund zwei Millionen vorzeitige, durch Luftverschmutzung verursachte Todesfälle verhindern.

Allerdings werden - ohne Änderungen bei der weltweiten Energieerzeugung - zugleich die weltweiten CO2-Emissionen ansteigen, meinen die IEA-Experten. Der Grund: Der notwendige zusätzliche Strom wird zu einem großen Teil in kalorischen Kraftwerken erzeugt.

"Elektrifizierung alleine reicht nicht aus, die Klimaziele weltweit zu erreichen", warnt der Report. Dafür sei eine umfassende Energiestrategie notwendig, die weltweit stärker auf erneuerbare Energieträger und andere Stromerzeugungsquellen mit niedrigem CO2-Ausstoß setze - und zugleich die Energieeffizienz erhöhe.

Und bei der Transformation der weltweiten Energiesystems zu mehr Nachhaltigkeit sind laut IEA vor allem Regierungen gefragt. Laut der IEA-Analyse sind rund 70 Prozent aller weltweiten Energieinvestitionen staatlich.

Asiens Energiehunger wird große Herausforderung für Politik

Generell wird die weltweite Energienachfrage in den kommenden zwei Jahrzehnten stark steigen, vor allem in Asien. Demnach wird die globale Nachfrage 2040 um mindestens ein Viertel höher liegen als heute.

Doch dies gelte nur, wenn die Regierungen ihre Versprechen einhalten, zum Beispiel mehr auf energieeffiziente Technologien zu setzen. Ansonsten könnte der Energiebedarf sogar um mehr als die Hälfte nach oben schnellen, heißt es in dem Bericht. Grund für die höhere Nachfrage sind vor allem ein erwarteter Anstieg der Weltbevölkerung um 1,7 Milliarden Menschen und steigende Einkommen.

Am stärksten wird demnach Indien seinen Energiebedarf steigern. Auf dem Subkontinent wird bis zum Jahr 2040 doppelt so viel Energie verbraucht werden wie derzeit, so die IEA. Auch Chinas Energiehunger wächst weiter, wenn auch nicht ganz so stark wie in den vergangenen beiden Jahrzehnten. In Europa und Japan wird der Bedarf dagegen leicht zurückgehen, in den USA bleibt er gleich.

Ohne Politikwechsel könne sich der wachsende Energiehunger aus Asien auf Energiepreise, Versorgungssicherheit und Umwelt auswirken, warnen die IEA-Experten. Alle Energiearten und Technologien seien betroffen, egal ob erneuerbar oder fossil.

Besonders stark wächst die Nachfrage nach Strom. In Entwicklungsländern wird sich der Bedarf an Elektrizität verdoppeln. In entwickelten Volkswirtschaften ist das erwartete Wachstum dem Report zufolge moderater. Dort besteht die größte Herausforderung darin, die Infrastruktur an die Bedürfnisse und die Versorgung durch erneuerbare Energien anzupassen.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH