Dienstag, 25. April 2017

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Chinesen zeigen Roboterauto noch 2015 Vorbild Google: Chinas Internet-Riese Baidu entwickelt selbstfahrende Autos

Die Blaupause stammt von Google, das eiförmige Design übernehmT Baidu nicht: Chinas Suchmaschinen-Riese will noch in diesem Jahr ein selbstfahrendes Auto vorstellen - das anders als Googles Roboterauto Pedale, Lenkrad und einen intelligenten Assistenten an Bord hat
REUTERS / Google
Die Blaupause stammt von Google, das eiförmige Design übernehmT Baidu nicht: Chinas Suchmaschinen-Riese will noch in diesem Jahr ein selbstfahrendes Auto vorstellen - das anders als Googles Roboterauto Pedale, Lenkrad und einen intelligenten Assistenten an Bord hat

Google preschte mit seinen Roboterauto-Prototypen vor, Apple arbeitet daran - und nun drängelt sich auch noch der chinesische IT-Riese Baidu dazwischen: Im Wettlauf um die Entwicklung selbstfahrender Autos erhalten die großen Autohersteller mächtig Gegenwind aus der IT-Branche.

Chinas größter Suchmaschinenbetreiber Baidu lässt nun mit einer mutigen Ansage aufhorchen: Noch in diesem Jahr könnte der IT-Konzern ein autonom fahrendes Fahrzeug vorstellen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg - doch die Faktenlage dazu ist noch eher spärlich.

Basis der Meldung ist ein kurzes Interview, das Baidus Chef Robin Lee in Peking kurz vor dem Besuch der Jahrestagung des chinesischen Volkskongresses gab. Dabei erklärte er, dass Baidu an intelligenten Autos forsche und dafür mit Autoherstellern zusammenarbeite. Die Namen der Hersteller wollte er jedoch nicht nennen.

In dem Gespräch soll er laut anderen Berichten bestätigt haben, dass Baidu ein solches selbstfahrendes Fahrzeug noch in diesem Jahr vorstellen will. Aus den Aussagen lässt sich nicht schließen, ob es sich dabei um einen Prototypen oder bereits um ein Serienmodell handeln sollte. Doch falls Baidu ein serienfertiges Auto hinstellt, wären die Chinesen mit dieser Technologie um gut ein Jahr früher dran als westliche Autohersteller. General Motors hat angekündigt, im Jahr 2016 einen Autobahn-Tempomaten anzubieten, bei dem Fahrer die Hände vom Steuer nehmen können. Audis neuer A8, der im kommenden Jahr vorgestellt wird, soll Autobahnstücke teils selbständig bewältigen. Mercedes und BMW nennen ähnliche Zeiträume für das sogenannte teilautonome Fahren.

Baidu forscht schon länger an dem Thema ... mit Hilfe von BMW

Zu einem wichtigen Detail äußerte sich Baidu-Chef Robin Lee nicht: Unklar ist, welche Aufgaben die Baidu-Autos ohne Zutun oder permanente Überwachung des Fahrers übernehmen können. Doch genau das ist eine der spannendsten Fragen: Selbständiges Beschleunigen, Bremsen und Spurhalten etwa im Stop-and-Go-Verkehr schaffen bereits die aktuellen Oberklasse-Modelle von Mercedes, BMW und Audi. Auch das Spur- und Abstandhalten auf Autobahnen beherrschen moderne Assistenzsysteme ziemlich gut. Doch noch ist es rechtlich verboten und technisch noch nicht fehlerfrei möglich, das Steuer für längere Zeit dem Computer zu überlassen.

Klar ist dafür, dass Baidu schon länger an dem Thema selbstfahrende Autos forscht und mit hochkarätigen Partnern in der Autoindustrie zusammenarbeitet. So hat Baidu das Betriebssystem CarLife entwickelt, dass in Auto-Infotainmentsystemen eingesetzt werden soll. Die Autohersteller Hyundai, VW, GM und Audi wollen ihre in China verkauften Autos in nächster Zeit mit CarLife ausstatten, hieß es vor kurzem.

Spannend ist auch ein Forschungsprojekt, dass Baidu mit BMW betreibt. Die Bayern testen in diesem und im kommenden Jahr selbstfahrende Autos im Stadtverkehr von Peking und Shanghai- und arbeiten dafür mit Baidu zusammen.

"Intelligenter Assistent" soll an Bord sein

Wie Google hat Baidu in China ein eigene Karten-Software aufgebaut. Baidu Maps bezieht seine Geodaten zwar von einem Unternehmen, dass dem großen Konkurrenten Tencent gehört. Doch die Technologie von Baidu ist offenbar genauer als jene der Konkurrenz.

Und Baidu beschäftigt in seiner Forschungsabteilung hochkarätige Mitarbeiter. Der Leiter von Baidus US-Forschungsaktivitäten etwa ist Andrew Ng, ein ehemaliger Professor der US-Eliteuniversität Stanford, der auch an der Universität an autonomen Autos forschte. Ende Februar hat ein Reporter des US-Medienunternehmens Fusion bei ihm nachgefragt, ob Baidu ein selbstfahrendes Auto entwickle. Darauf gebe es keine einfache Antwort, sagte Ng verschmitzt. "Wir forschen daran. Wir entwickeln Forschungsprototypen".

Baidus chinesischer Forschungschef wurde da deutlicher. Er sprach davon, dass sein Unternehmen ein "hochautonomes Auto" entwickle, das einen "intelligenten Assistenten" zur Fahrerunterstützung beinhalte. Anders als Googles Roboterauto soll Baidus Auto also nicht völlig ohne Fahrer auskommen. Auch er erklärte, dass er noch in diesem Jahr einen Prototypen vorstellen wolle.

Noch ist nicht abzusehen, ob Baidu seine Zeitpläne halten kann. Unterschätzen sollte man Baidus Ambitionen jedoch nicht. Das Unternehmen ist immerhin der größte Suchmaschinenbetreiber Chinas, Baidu werden zudem hervorragende Drähte zur chinesischen Staatsführung nachgesagt. Und die Autoziele von Baidu lassen sich mit vorhandener Technologie schneller umsetzen als Googles hochfliegende Roboterauto-Träume.

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