Sonntag, 9. Dezember 2018

Neue Werke für Faraday Future, Karma Milliarden für neue Werke - Chinas Tesla-Nachahmer machen ernst

Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen
Faraday Future
Konzeptauto FF1 von Faraday Future: Mehr Batmobil als Serienfahrzeug - dennoch sollte man das Startup ernst nehmen

Warum klein, wenn es auch zwei Nummern größer geht? Mit dieser Devise ist der chinesische Technologie- und Unterhaltungskonzern LeEco groß geworden. Allzu einseitig mag es das Unternehmen Leshi Internet Information & Technology, wie der Konzern mit vollem Namen heißt, auch nicht. LeEco betreibt Internet-TV-Kanäle, hat eine Musik- und eine Sportnews-Sparte und liefert für Smartphones optimierte Video-Inhalte.

Weil solche Inhalte auch gut in einen Roboter auf vier Rädern passen würden, entwickelt LeEco seit anderhalb Jahren eigene Elektroautos. Mit viel Wirbel um rassige Rennmaschinen wurde vor allem die Marke Faraday Future angekündigt. Auch für autonom fahrende Autos interessiert sich LeEco-Chef Jia Yueting schon länger.

Nun will der Konzern einiges springen lassen, um im Bereich Elektromobilität zur großen Nummer zu werden: LeEco hat angekündigt, gleich 1,8 Milliarden Dollar in eine eigene Elektroauto-Fabrik zu investieren.

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Das Werk soll bis zu 400.000 Elektroautos pro Jahr produzieren können und in der Nähe des Mogan-Bergs in der östlichen Provinz Zhejiang entstehen. Ungewöhnlich ist neben der Größe auch das Umfeld: Die Fabrik soll laut LeEco Teil eines drei Milliarden Dollar teuren Vergnügungsparks rund um Automobilthemen werden. Alle Fahrzeuge innerhalb des Parks sollen einen Elektroantrieb haben, von mehreren Personen geteilt werden und autonom fahren, erklärte Le Eco laut einem Bericht des Wall Street Journal (kostenpflichtig€€).

Wird die LeEco-Fabrik zu Faradays China-Standbein?

Wann der Bau des Ensembles starten soll, verriet LeEco nicht. Doch eines stellte LeEco-Gründer Jia Yueting klar: Das Projekt solle allen strategischen Partnern von LeEco offenstehen. Zu denen zählt auch das reichlich nebulöse US-Startup Faraday Future. LeEco ist einer der Unterstützer des Elektroauto-Startups und gilt als dessen Hauptfinancier.

LeEco muss gut gefüllte Kassen haben, denn Faraday Future ist derzeit ein teures Vergnügen. Zum einen zieht das chinesisch-amerikanische Startup in den USA eine E-Auto-Fabrik nördlich von Las Vegas hoch. Insgesamt soll das Werk eine Milliarde Dollar kosten.

Bereits in zwei Jahren, so tönte Faraday Future Anfang 2016, wolle man Elektroautos in Serie fertigen. Bisher hat Faraday öffentlich aber nur einen 1000 PS starken, wenn auch nicht fahrbereiten Elektrosportwagen präsentiert, der mehr nach Batmobil denn nach Serienfahrzeug aussah.

Zudem hat Faraday bereits Dutzende Leute von Autoherstellern und Zulieferern abgeworben, was nicht ganz billig gewesen sein dürfte. Denn auf Faradays Gehaltsliste sollen Dutzende ehemalige Tesla-Mitarbeiter stehen. Auch ein hochrangiger Bosch-Ingenieur arbeitet mittlerweile für das Start-Up. Zuletzt wechselte der einstige Boss von Ferraris Nordamerika-Geschäft zu dem Elektroauto-Unternehmen. Eine komplette Luftnummer ist Faraday also kaum, auch wenn bei Finanzierung und künftiger Modellpalette noch sehr viele Fragen offen sind.

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