Samstag, 23. Juli 2016

GM verkauft in China mehr Autos als VW GM zieht vorbei - VW nicht mehr Primus in China

GM-Minivan schlägt VW-Jetta-Abkömmling: Die Lieblingsautos der Chinesen
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GM / Yanlihai

In seinem größten Absatzmarkt verliert der Volkswagen-Konzern einen prestigeträchtigen Titel: Die Wolfsburger sind nicht mehr größter ausländischer Autohersteller in China - sondern nur noch die Nummer zwei.

Im vergangenen Jahr verkauften die Wolfsburger 3,55 Millionen Fahrzeuge im Reich der Mitte, das sind rund 3,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Das zeigen jüngst veröffentlichen Zahlen von Chinas Autohersteller-Verband CAAM. General Motors hingegen konnte im Gesamtjahr 2015 seinen China-Absatz um 5,2 Prozent auf 3,61 Millionen Autos steigern.

Volkswagens China-Chef Jochem Heizmann gibt sich demonstrativ gelassen: "Das Absatzvolumen ist nicht alles", erklärt er vor kurzem in Peking. Für das laufende Jahr bleibt er optimistisch. Die Wolfsburger werden nun vor allem Profitabilität und bessere Restwerte im Auge behalten, erklärte er am Rande einer Branchenkonferenz in Peking.

Dabei hielten die Wolfsburger ihren Absatzprimus-Titel in China gerade mal zwei Jahre in Folge. Erst im Jahr 2013 hatte VW den US-Autoriesen bei den China-Verkäufen überholt. Davor waren die Amerikaner neun Jahre lang der größte ausländische Autohersteller im Reich der Mitte. Bei den weltweiten Verkaufszahlen lagen die Amerikaner aber zuletzt knapp hinter Volkswagen.

Allerdings lief es bei VW zuletzt auch in anderen Wachstumsmärkten nicht ganz rund. Etwa in Brasilien - dort hat Volkswagen zuletzt in einem schrumpfenden Markt auch noch kräftig Marktanteile eingebüßt.

Dieselgate spielt in China keine Rolle - dennoch stockt der Absatz

Nun gerät VWs Geschäft auch in seinem größten Automarkt China ins Stocken - der immerhin für ein Drittel des weltweiten Konzernabsatzes steht. Woran liegt es, dass GM in China VW knapp überrunden konnte? Diese Frage beantworten chinesische Auto-Fachleute unterschiedlich.

Die Wirtschafts-Website China Business News gibt dafür dem VW-Abgasskandal die Schuld. Der habe VW auch in China ein Image als Umweltsünder eingebracht. Und das verschrecke chinesische Autokäufer, die auch wegen der Smog-Probleme in Peking und Shanghai sensibel auf solche Themen reagieren.

Mit dieser Argumentation gibt es jedoch ein Problem: In China verkauft VW kaum Diesel-Fahrzeuge. Deshalb ruft VW in dem Land auch nur 2000 importierte Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten. VW hat sich bei den wenigen betroffenen Kunden bereits förmlich entschuldigt - allzu groß dürfte der Aufschrei also nicht ausgefallen sein.

Haben VWs-China-Manager zu wenig Freiheiten?

Die China-Ausgabe der Fachzeitschrift Automotive News analysiert VWs Hintertreffen gründlicher: Anders als GM gebe VW seinen Managern vor Ort nur wenig Freiheiten für Lokalisierung, meint der Herausgeber von Automotive News China in einem Kommentar. Die wichtigsten Entscheidungen für neue China-Modelle fallen nach wie vor in Wolfsburg. Das sei in dem großen Markt ein Fehler.

GM habe zudem mit der Marke Baojun eine eigene, billige Einstiegsmarke gegründet. VW fehlt eine solche, eigens auf China zugeschnittene Marke. Zudem habe VW nur langsam auf die sich ändernden Konsumgewohnheiten reagiert. GM habe in den vergangenen zwei Jahren gleich vier kompakte SUV-Modelle zu den chinesischen Händlern gebracht - VW kein einziges neues.

Solche Vorwürfe dürfte die Führungsriege in Wolfsburg nur ungerne hören. Denn sie erinnern an die strategischen Fehler, die VW in den USA viel Absatz gekostet haben. In den USA hat VW ebenfalls nur spät auf Markttrends reagiert. Einen größeren, günstigen SUV wollen die Wolfsburger erst in diesem Jahr vorstellen - und kommen damit wohl um einige Jahre zu spät. Das liegt wohl auch daran, dass die Nordamerika-Manager kaum Freiheiten bei der Entwicklung neuer Modelle hatten.

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VWs China-Statthalter Heizmann wird in diesem Jahr zeigen müssen, dass er die richtigen Schlüsse aus VWs Fehlern im Nordamerika-Geschäft zieht und ziemlich schnell agiert. Immerhin haben die Wolfsburger bereits angekündigt, bis 2020 in China gleich zehn neue SUV-Modelle aufzufahren. die alle vor Ort produziert werden. Da muss VW jetzt mächtig Gas geben - dann klappt es auch wieder mit dem Branchenprimus-Titel in China.


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