Montag, 25. Juni 2018

Milliardeninvestition in Thüringen geplant Chinesen düpieren deutsche Industrie mit Batterieprojekt

Hauptquartier von CATL in Ningde, China
Bloomberg/Getty Images
Hauptquartier von CATL in Ningde, China

Der chinesische Batterie-Gigant CATL will offenbar eine große Produktionsstätte in Deutschland bauen und dafür bis zu eine Milliarde Euro investieren. Berichten der Nachrichtenagentur "Bloomberg" und der "Thüringer Allgemeine" zufolge steht die Verkündung kurz bevor.

"Wir verhandeln mit dem chinesischen Batteriehersteller CATL über eine Ansiedlung in Thüringen", zitiert die Zeitung den Landeswirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Es seien aber womöglich noch andere europäische Standorte im Rennen.

Nachfragen von manager magazin zu weiteren Details ließ das Ministerium unbeantwortet und verwies auf CATL. Das chinesische Unternehmen, das am Montag einen furiosen Börsenstart in Shenzen hinlegte, reagierte auf eine Anfrage zunächst nicht. Eine mit dem Vorgang vertraute Person machte gegenüber manager-magazin.de deutlich, dass die Wahl tatsächlich auf Erfurt gefallen sei.

Sobald CATL diese Entscheidung verkündet, wäre dies eine gute Nachricht für Auto-Deutschland und eine gewisse Blamage zugleich. Denn dann gelänge den Asiaten etwas, was die heimische Industrie bisher nicht geschafft hat. Frühere Versuche, eine Batteriezellproduktion im größeren Stil aufzubauen, sind gescheitert. So schloss Daimler seine Zellfertigung im sächsischen Kamenz nach wenigen Jahren.

Seither schwelt in der Branche ein Dissens, ob es ökonomisch sinnvoll ist, Zellen in Deutschland zu fertigen. Vorstöße der IG Metall und einzelner Top-Manager aus der Autobranche für ein gemeinsames Werk verliefen immer wieder im Sande.

Zulieferer Bosch teilte Anfang März mit, wegen des großen finanziellen Aufwands keine Zellen zu produzieren. Das mittelständisch geprägte Start-up TerraE will 2019 mit dem Aufbau einer Gigafactory in Deutschland beginnen, hat bisher aber keinen Standort genannt.

Führende Branchenexperten hatten zuletzt schon damit gerechnet, dass die deutsche Autoindustrie Batteriezellen dauerhaft wird importieren müssen. In dem Bereich seien keine neuen Arbeitsplätze zu erwarten, hieß es Anfang Juni in einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Zusammenarbeit mit Autobauern und IG Metall.

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"Der Grund dafür ist, dass im Jahr 2016 eine Zellherstellung deutscher Hersteller nicht vorhanden und auch nicht in Aussicht war", begründeten die Autoren ihren Befund. Auch bei ihrer Berücksichtigung seien allerdings keine besonders großen Beschäftigungseffekte zu erwarten, da in der Zellherstellung in der Regel ein sehr hoher Automatisierungsgrad vorherrschte.

Für Thüringen erhofft sich die Regierung allerdings schon in der ersten Ausbauphase mehrere Hundert Arbeitsplätze. Das Land werde daher alles dafür tun, das Unternehmen zu sich zu holen, kündigte Tiefensee an.

Mit einem Standort in Mitteleuropa würde CATL seine enormen weltweiten Wachstumsambitionen unterstreichen und sich als bedeutender Zulieferer großer Automobilkonzerne wie Daimler etablieren. Mit den Stuttgartern sind die Chinesen schon etwas länger über einen Liefervertrag für Europa im Gespräch. Zu den großen CATL-Kunden gehören bereits Volkswagen, BMW und Hyundai.

Das chinesische Unternehmen (voller Name: Contemporary Amperex Technology Co) hat zuletzt die Spitzenposition im globalen Geschäft mit Auto-Fahrbatterien für sich reklamiert. Demnach kam CATL 2017 auf eine Jahresproduktion von zwölf Gigawattstunden - genug um Tesla-Zulieferer Panasonic (zehn Gigawatt) zu überholen).

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