Donnerstag, 17. Januar 2019

Nissan-Chef Saikawa räumt ein "Zu große Machtkonzentration in der Person Ghosn"

Carlos Ghosn: Nach Nissan will auch Mitsubishi Ghosn als Chef feuern

Als Konsequenz aus der Finanzaffäre strebt Nissan eine Veränderung der Führungsstrukturen innerhalb der Dreier-Allianz an. Es habe eine zu große "Konzentration an Macht" in der Person Ghosn gegeben, sagte Nissan-Vorstandschef Hiroto Saikawa vor Beschäftigten, wie ein Sprecher am Montag auf Anfrage erklärte. Es bedürfe einer "gesünderen und nachhaltigeren" Führung, die Macht dürfe nicht mehr wie bisher so stark auf eine einzelne Person konzentriert sein, so Nissan-Chef Saikawa. Renault wollte das auf Nachfrage nicht kommentieren.

Ein Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo, wonach Nissan die Allianz mit Renault überprüfe, träfe indes nicht zu, sagte der Sprecher. Die Kapitalstruktur der Allianz aus Nissan, Renault und Mitsubishi sei niemals ein Thema gewesen, hieß es. Renault ist zu 43,4 Prozent an Nissan und zu 34 Prozent an Mitsubishi beteiligt. Nissan wiederum hält einen Anteil von 15 Prozent an dem französischen Autokonzern, verfügt dabei aber über keine Stimmrechte.

Ghosn, der bei Renault vorerst weiter als Vorstandschef fungiert, war am 19. November festgenommen und am vergangenen Donnerstag von Nissan entlassen worden. Internen Ermittlungen zufolge sollen er und ein weiterer ebenfalls festgenommener Manager Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. Japanische Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) Einkommen zu wenig angegeben.

Auch Altersversorgung offenbar nicht angegeben

Ghosn soll die Vorwürfe nach unbestätigten japanischen Medienberichten zurückgewiesen haben. Nach japanischem Strafrecht kann er bis zu drei Wochen lang ohne Prozess festgehalten werden.

Unterdessen meldete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Montag ohne Quellenangabe, Ghosn habe über acht Jahre hinweg eine arbeitnehmerfinanzierte Altersversorgung von rund acht Milliarden Yen nicht angegeben. Bei dieser sogenannten "deferred compensation" verzichtet ein Arbeitnehmer auf einen Teil des Gehalts zugunsten einer Altersvorsorgezusage. In Ghosns Fall soll es sich um rund eine Milliarde Yen pro Jahr gehandelt haben. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hätte er dies in Berichten an die Börse angeben müssen, hieß es.

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Derweil hat auch Mitsubishi Ghosn als Verwaltungsratschef gefeuert. Die von Ghosn geschmiedete Dreier-Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi bevorteile nach Ansicht der japanischen Seite die Franzosen, obwohl Nissan in den jüngsten Jahren rund 50 Prozent zum Nettoeinkommen von Renault beigesteuert hat.

la/mg/rtr,dpa-afx

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