Mittwoch, 20. März 2019

Fabrik mit Tausenden Beschäftigten schließt Brexit-Schock - Honda verlässt England

Honda-Fabrik im britischen Swindon: Honda ist schon lange fester Bestandteil der britischen Autoindustrie. Hier läuft jedes zehnte in Großbritannien produzierte Auto vom Band

Der japanische Autobauer Honda schließt sein Werk in Großbritannien. Das gab der Konzern am Dienstag bekannt und bestätigte damit einen TV-Bericht von Montagabend. Die Fabrik mit 3500 Beschäftigten soll 2021 die Arbeit einstellen.

Das Werk in Swindon ist Hondas einzige Fertigungsstätte in Europa und auch von einiger Bedeutung für die gesamte Autoindustrie Großbritanniens: Im vergangenen Jahr wurde dort mehr als jedes zehnte aller in Großbritannien gebauten Autos produziert - mehr als 160.000 Fahrzeuge der Modelle Civic und CV-R.

Honda hatte in Swindon 1989 zunächst mit der Fertigung von Motoren begonnen. Autos laufen dort seit 1992 von den Bändern. Honda ist damit ein weiteres japanisches Unternehmen, das die Geschäfte in Großbritannien zurückfährt. Wenige Wochen vor dem am 29. März anstehenden EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) hatte Nissan mitgeteilt, die nächste Generation seines SUV-Modells X-Trail für den europäischen Markt werde in Japan statt in England gebaut. Man wolle die Produktion des X-Trails im Werk in Kyushu zusammenführen, hieß es.

Die britische Autoindustrie gerät teils selbstverschuldet aber auch durch das Gezerre und die damit entstehende Unsicherheit um den Brexit immer mehr unter Druck. 2018 musste sie den schwersten Einbruch seit der Finanzkrise hinnehmen: Nach Zahlen des britischen Automobilverbands SMMT fielen die Verkäufe um fast 7 Prozent auf 2,37 Millionen Fahrzeuge. Jaguar Land Rover hatte unlängst angekündigt, massiv Stellen abbauen zu wollen. In der britischen Autobranche arbeiten 850.000 Menschen.

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Bild: REUTERS

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Noch ist völlig unklar, ob es zu einem geregelten Austritt Großbritanniens aus der EU oder einem sogenannten harten Brexit kommt. Schon längst aber hinterlässt die Unsicherheit darüber Spuren in der volkswirtschaftlichen Bilanz: So wuchs die britische Wirtschaft im Schlussquartal 2018 kaum noch, fuhren Autobauer und die Stahlindustrie auf der Insel ihre Produktion deutlich herunter, rutschten die Investitionen mit 3,7 Prozent so stark ab wie seit 2010 nicht mehr.

rei mit dpa

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