Montag, 22. Januar 2018

Absatzeinbruch auch für 2018 erwartet Angst vor Brexit- und Diesel-Folgen setzt UK-Autobauern zu

Mini-Produktion in Großbritannien: Die Käufer halten sich zurück, die Autobauer werden nervös

Der Automarkt in Großbritannien ist in 2017 eingebrochen. Die ungewisse Zukunft des Diesel und die möglichen Folgen des Brexit haben die Kunden stark verunsichert. 2018 soll es noch schlimmer werden. Einzelne Hersteller wie Honda schmieden bereits Notfallpläne, schließen auch nicht aus, die Produktion abzuziehen, sollten London und die EU nicht bald ein Übergangsabkommen erzielen.

Während in anderen Ländern Europas die Automärkte im vergangen Jahr deutlich zulegen konnten, sind die Neuwagenverkäufe in Großbritannien um 5,7 Prozent eingebrochen. Sie fielen damit so stark wie seit 2009 nicht mehr, teilte der Herstellerverband SMMT mit.

Die Verbraucher fürchteten eine weitere Reglementierung von Diesel-Fahrzeugen, auch seien sie durch die möglichen Folgen des Brexit verunsichert, begründete der Verband die schwachen Zahlen. Die Nachfrage nach Dieselautos brach sogar um 17 Prozent ein, zitiert Reuters den Verband.

Nach vorläufigen Zahlen wurden 2,54 Millionen Neuwagen zugelassen. Ein katastrophaler Dezember mit einem Absatzminus von nahezu 14 Prozent lasse schwierige Zeiten erwarten. "Das erste Quartal wird sehr hart werden", sagte SMMT-Chef Mike Hawes. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem weiteren Rückgang der Neuwagenverkäufe von 7 Prozent.

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Die Automobilindustrie auf der Insel sei besorgt und befürchtet hohe Zölle auf ihre Fahrzeuge, falls es die britische Regierung nicht schaffe, schnell die künftigen Handels- und Zollbeziehungen zur EU zu klären. Solange keine Klarheit über die Bedingungen eines Übergangsabkommens herrsche, würden die Unternehmen Investitionen weiter aufschieben, warnte Hawes in dem Reuters-Interview.

Angesichts der sich hinziehenden Brexit-Verhandlungen arbeiteten einige Hersteller wie Honda bereits an Notfallplänen. Sie sehen zum Beispiel eine zusätzliche Lagerung und Bevorratung von Teilen vor. Die Branche brauche bis März dringend eine Überganslösung, forderte Honda. Der japanische Hersteller schloss auch nicht aus, die Produktion in Großbritannien ganz einzustellen.

BMW hatte bereits im Frühjahr gewarnt, dass die geplante Elektroversion des Mini womöglich nicht in Großbritannien gebaut werde. BMW ist mit seinen Töchtern Rolls-Royce und Mini stark engagiert in Großbritannien. Acht von zehn in Großbritannien hergestellten Fahrzeugen des Konzerns werden ins Ausland exportiert.

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