Montag, 24. September 2018

Bräsiger Brexit BMW droht Briten mit "Alternativplänen"

Mini-Werk in Oxford
Bloomberg via Getty Images
Mini-Werk in Oxford

Nach Airbus warnt auch BMW die britische Regierung vor dem Brexit: Sollte es bis zum Ende des Sommers keine Klarheit geben, müsse man Investitionen auf der Insel überdenken.

Der Autobauer BMW warnt Großbritannien vor den Folgen eines harten Brexits. Bis Ende Sommer werde Klarheit benötigt, sagte der BMW-Repräsentant im Vereinigten Königreich, Ian Robertson, dem Sender BBC. Das Münchner Unternehmen stellt auch die Marken Mini und Rolls-Royce her und hat rund 8000 Beschäftigte auf der Insel.

"Wenn wir in den nächsten Monaten keine Klarheit bekommen, müssen wir damit beginnen, Alternativpläne zu entwickeln." Sonst würde der Konzern Geld in Konstruktionen investieren, "die wir vielleicht nicht benötigen, in Lagerhallen, die vielleicht künftig nicht brauchbar sind", sagte Robertson. Er sprach von einem bedeutenden Problem, dass die Industrie schädigen könnte.

Vor zwei Jahren - am 23. Juni 2016 - hatten die Briten mit knapper Mehrheit für den Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt. Die Trennung ist bereits für Ende März 2019 geplant.

Verhandlungen verlaufen schleppend

Die Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen jedoch sehr schleppend. Zentrale Streitpunkte sind vor allem die künftige Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland und die Frage, ob Großbritannien weiterhin dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion angehören soll. Premierministerin Theresa May lehnt das bislang ab, weil sie damit einhergehende Zugeständnisse - etwa in der Einwanderungspolitik - nicht eingehen will.

May regiert seit der vorgezogenen Parlamentswahl 2017 nur noch mit einer hauchdünnen Mehrheit. Sie steht von mehreren Seiten unter Druck. Auch die Brexit-Hardliner ihrer Partei - darunter etwa Außenminister Boris Johnson - drohen immer wieder damit, sie zu stürzen.

Kurz vor der BMW-Warnung hatte der Luftfahrt-- und Rüstungskonzern Airbus im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen mit Teilrückzug aus Großbritannien gedroht. "Einfach ausgedrückt gefährdet ein Szenario ohne Deal direkt die Zukunft von Airbus im Vereinigten Königreich", erklärte der Leiter der Airbus-Verkehrsflugzeug-Produktion, Tom Williams. Falls das Land im kommenden März ohne Abkommen aus der EU aussteige und damit Binnenmarkt und Zollunion sofort verlasse, würde dies zu einer "schweren Störung und Unterbrechung" der Produktion führen.

Spiegel Online, soc

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH