Montag, 17. Dezember 2018

Mehr Einsatz für Klimaschutz gefordert Bosch-Chef tadelt Autoindustrie

Bosch-Chef Volkmar Denner
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Bosch-Chef Volkmar Denner

Der Chef des Autozulieferers Bosch fordert von den deutschen Autobauern mehr Einsatz für den Klimaschutz. Das ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.

Bosch-Chef Volkmar Denner hat einen stärkeren Einsatz der Autobranche für die Umwelt angemahnt. "Auch die Automobilindustrie kann für den Klimaschutz mehr tun, als sie muss", schrieb Denner in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" .

"Vor allem sollte sie ihn weniger eng angehen als bisher." Dabei gehe es nicht nur um realitätsnahe Verbrauchsangaben wie sie mit dem neuen Abgas- und Verbrauchsprüfstandard WLTP eingeführt wurden. "Je umfassender wir den CO2-Ausstoß erfassen, desto wirksamer kann der Kampf gegen den Klimawandel sein."

Nach langen Verhandlungen hatten sich die EU-Staaten in der Nacht zum Mittwoch darauf verständigt, dass Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt 35 Prozent weniger des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ausstoßen sollen als 2020.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA), dem mehr als 600 Unternehmen der Branche angehören, darunter auch Bosch, hatte den Kompromiss scharf kritisiert. "Überzogene CO2-Ziele" würden den Industriestandort Europa schwächen und Arbeitsplätze gefährden, warnte VDA-Chef Bernhard Mattes. Volkswagen-Chef Herbert Diess warnte vor einem Stellenabbau von bis zu 100.000 Jobs seines Konzerns in Europa, sollte die CO2-Forderungen an die Autobauer wie von den EU-Umweltministern beschlossen umgesetzt werden.

Das Plädoyer des Bosch-Chefs zeigt, dass auch die Zulieferer eine höhere CO2-Reduktion für technisch machbar halten. Der VDA bezweifelt das: "Mit dem Votum wurde die Chance vertan, die CO2-Regulierung für die Zeit nach 2021 wirtschaftlich und technisch realistisch zu gestalten", heißt es da.

Im speziellen Fall von Bosch allerdings erscheinen die Äußerungen brisant. Bosch ist als Automobilzulieferer in den Dieselskandal verwickelt. Das Unternehmen belieferte VW mit Software für die Motorsteuerung der manipulierten Autos, die mehr gefährliche Stickoxide ausstoßen als sie dürften. Gegen mehrere Bosch-Mitarbeiter laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beihilfe. NOx, CO2 und Feinstaub gehören zu den besonders kritischen Bestandteilen von Autoabgasen.

Die CO2-Grenzwerte seien aber nur ein Teil des Bildes, sagte Denner. Vielmehr müsse "die ganze Energiekette von Kraftwerken und Raffinerien bis zu den Fahrzeugen" betrachtet werden - "von der Quelle und nicht bloß vom Tank bis zum Rad", so Denner. "Denn für das Weltklima zählt nicht bloß der direkte Ausstoß des Autos, vielmehr auch die Emission der Kraftstoff- und Stromerzeugung."

Dabei gehe es nicht um eine Entscheidung zwischen Verbrennungsmotor und Elektroauto, die in der CO2-Gesamtbilanz nicht weit auseinander lägen, schrieb Denner weiter. "Es ist an der Zeit, nicht das eine gegen das andere auszuspielen, sondern auf beiden Seiten die richtigen Hebel anzusetzen."

Der Bosch-Chef kritisierte zudem die Bundesregierung für ihren Ausstieg aus den Klimazielen 2020: "Diese merkwürdige Gelassenheit angesichts einer globalen Gefahr erscheint geradezu unverständlich."

rei mit dpa

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