Mittwoch, 24. Mai 2017

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Finanzaktivist erhöht Druck Hedgefonds TCI will VW-Managerboni kippen

Vorstand der Volkswagen AG: Ein Finanzaktivist will, dass VWs Managerboni nur aus Aktien bestehen

Christopher Hohn ist als beinharter Finanzaktivist bekannt. Seit Monaten kritisiert der Chef des Hedgefonds TCI die hohen Vorstandsgehälter bei Volkswagen. Jetzt legt er nach - und macht VW-Aufsichtsratschef Pötsch in einem Brief Vorschläge, wie die Vergütung der Vorstände künftig aussehen sollte. Dessen Sprecher erklärt, dass längst daran gearbeitet werde.

Top-Manager der Deutschen Börse haben diesen Mann schon einmal unterschätzt - und dafür Lehrgeld bezahlt: Wenn Christopher Hohn etwas auszusetzen hat, sagt er das in der Regel ziemlich deutlich. Und der Gründer und Chef des Hedgefonds TCI weiß genau, wie er sich bei anderen Anteilseignern Gehör verschafft.

Seit längerem bereitet Hohn eine Attacke gegen den Autoriesen Volkswagen vor. In den vergangenen vier Jahren hat TCI VW-Aktien erworben, nach Informationen von manager magazin besitzt er rund 2 Prozent der VW-Vorzugsaktien. Bereits im Mai hatte TCI der Volkswagen-Führung einen gepfefferten Brief geschrieben, in dem er die üppige Bezahlung der Konzernvorstände auch nach dem Abgasskandal kritisierte. Es sei das "schmutzige Geheimnis" der Manager, dass sie jahrelang reichhaltig entlohnt wurden, obwohl Produktivität und Gewinne einbrachen, sagte er damals gegenüber manager-magazin.de.

Jetzt legt der 49-jährige Finanzaktivist nochmals nach. In einem Brief an Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch macht er dem obersten Konzernkontrolleur Vorschläge für ein radikal anderes Vergütungssystem - und erhöht damit den Druck auf die Konzernführung, ihre bisherige Manager-Entlohnung zu überdenken.

Derzeit bezahle VW seinen Topmanagern "riesige Geldsummen", wenn das Unternehmen mehr als fünf Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwirtschafte. Das sei "offensichtlich falsch", schreibt Hohn in dem vom 7. September 2016 datierten Brief, der manager-magazin.de vorliegt.

Boni sollen nur mehr in Aktien ausbezahlt werden

Auch VW-Finanzchef Frank Witter habe TCI gegenüber bereits zugegeben, dass das Vergütungssystem angepasst werden müsse. TCI drängt in seinem Brief nun darauf, dass Volkswagen darauf abzielen sollte "einen neuen Standard bei der Vorstandsvergütung" zu setzen.

"Wir arbeiten intensiv an einem adjustierten Vergütungssystem für den Vorstand", hält der Volkswagen-Konzern in einer Stellungnahme zu Hohns Brief dagegen. Noch werden verschiedene Entwürfe bezüglich der variablen und fixen Vergütung diskutiert. Auch Vorstellungen des Kapitalmarkts flössen in die Überlegungen ein, erklärt ein VW-Sprecher schriftlich gegenüber manager-magazin.de. Das neue Vergütungssystem solle mit dem Geschäftsjahr 2017 in Kraft treten.

Hohns Vorstellungen für die Vorstandsgehälter sind im Kern vergleichsweise einfach. Er fordert, dass sich die Boni der Vorstände viel stärker als bisher am VW-Aktienkurs orientieren sollten und nur mehr in Aktien ausbezahlt werden.

VW-Schreck: TCI-Chef Chris Hohn
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VW-Schreck: TCI-Chef Chris Hohn

TCI-Chef Hohn drückt das so aus: Wichtig sei, dass dieses System die Vorstände dazu motivieren solle, den langfristigen Erfolg des Unternehmens sicherzustellen. Die Boni sollen sich an Zielen für die Gewinne je Aktie, dem EBIT je Aktie, dem Cash-Flow je Aktie, der Kapitalrendite (ROI) und dem Total Shareholder Return orientieren. Hohn fordert natürlich auch mehr Transparenz ein - für die Aktionäre: So sollten alle Aspekte des Vergütungssystem im Detail sämtlichen Anteilseignern erklärt werden. Und eine schlechte Performance sollte zu gar keinen Bonuszahlungen führen.

Leer ausgehen sollten die Vorstände bei den Boni-Zahlungen auch, wenn sie ein Ergebnis unterhalb von 20 Euro je Aktie erzielen. Immerhin, so gesteht Hohn zu, sollten das Ergebnis je Aktie auf einem Dreijahres-Durchschnitt beruhen, um die "Zyklikalität" zu berücksichtigen.

"Entscheidend ist dabei, dass alle Boni in Aktien ausbezahlt werden", schreibt Hohn weiterhin. Es sei schockieren, dass VWs Topmanager aktuell kaum Aktien ihres Unternehmens besitzen. Denn viele Analysen für den Unternehmenserfolg zeigten, dass der Besitz von Aktien durch die Topmanager der wichtigste Treiber für ein gutes Abschneiden sei.

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