Dienstag, 28. März 2017

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Brexit und die Folgen BMW will E-Mini wohl nicht in Großbritannien bauen

Mini-Produktion in Oxford: Für die Elektroversion des kleinen Flitzers kommt das Werk wohl nicht mehr in Frage

BMW zieht erste Konsequenzen aus dem Brexit und will offenbar die Elektroversion des Mini nicht in Großbritannien produzieren. Dafür werden aber zwei mögliche Standorte in Deutschland gehandelt.

Der Autobauer BMW prüft offenbar den Bau des Elektromodells seiner britischen Kleinwagenmarke Mini in Deutschland. Das Stammwerk in Oxford sei für das Projekt nicht mehr gesetzt, der Dax -Konzern denke über eine Fertigung in Leipzig oder Regensburg nach, berichtet das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf Konzernkreise.

Zudem sei auch der niederländische Auftragsfertiger Nedcar im Rennen, der bereits das Mini Cabrio und den Geländewagen herstellt. Ein Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Im zweiten Halbjahr müsse BMW entscheiden, wo der künftige Elektro-Mini gebaut wird, hieß es in der Zeitung. Die britische Premierministerin Theresa May hatte einen sogenannten "harten" Brexit angekündigt - also das Ausscheiden Großbritanniens nicht nur aus der EU, sondern auch aus dem gemeinsamen Binnenmarkt. Mögliche Zölle und andere Handelsbeschränkungen würden die Produktion auf der Insel für den Export verteuern.

BMW ist mit seinen Töchtern Rolls-Royce und Mini stark engagiert in Großbritannien. Derzeit baut BMW in seinem Werk in Oxford rund 211.000 Mini pro Jahr, zusätzlich knapp 4000 Rolls Royce. Acht von zehn in Großbritannien hergestellten Fahrzeugen des Konzerns werden ins Ausland exportiert.

BMW stark in Großbritannien investiert

Das (noch) vereinigte Königreich ist für die Münchener nach China und den USA der drittgrößte Auslandsmarkt. BMW verkauft dort bislang mehr als 10 Prozent seiner Autos. BMW hat also einiges zu verlieren. So warnten bereits vor der Abstimmung zum Brexit der Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös und BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson, ein Austritt würde die Produktionskosten empfindlich steigern "und könnte damit Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen haben".

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Rolls-Royce betreibt eine Fabrik in Goodwind. Insgesamt 24.000 Menschen arbeiten für BMW und seine britischen Töchter auf der Insel. Insgesamt 2,2 Milliarden Euro hat BMW an seinen Produktionsstandorten in Oxford, Hams Hall, Swindon und Goodwood investiert.

Einzelne Autoexperten wie Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach erwarten eine allmähliche Abwanderung der Autoproduktion aus Großbritannien.

Unter den Autobauern sieht Bratzel in erster Linie BMW betroffen: Denn mehr als die Hälfte der 200.000 auf der Insel produzierten Minis wurden 2015 in die EU exportiert. Das treffe auch für einen Großteil der in Großbritannien produzierten Motoren und Komponenten zu. Ein freier Handel ist für BMW also von größter Wichtigkeit, betonte auch Vertriebsvorstand Ian Robertson.

rei mit dpa

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