Samstag, 23. Juli 2016

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BMW plant Angriff auf Mercedes S-Klasse BMW will mit neuen Luxus-Modellen die Zukunft finanzieren

Noch gar nicht so lange her. Erst im Sommer vergangenen Jahres präsentierte BMW seinen neuen 7er. Eine Luxusvariante ist jetzt offenbar in Planung und soll zusammen mit anderen hochpreisigen Modellen die Transformation des Autobauers finanzieren helfen

Daimler-Chef Dieter Zetsche kann derzeit vollauf zufrieden sein: Das Rekordjahr 2015 wirft satte Dividenden für die Aktionäre ab, die zweistellige Umsatzrendite im Pkw-Geschäft steht und wackelt nicht, der Vertrag ist verlängert, an den Dauerrivalen BMW ist Mercedes eng herangerückt. So eng, dass der Stern schon in diesem Jahr die Zwei-Millionen-Marke knacken und BMW überholen könnte, meinen manche Analysten.

In München selbst reagiert man auf derlei Szenarien offiziell nicht. Klar ist aber, dass BMW-Chef Harald Krüger nicht entgangen ist, mit welcher Verve Zetsche in den vergangenen drei Jahren Mercedes nach vorn getrieben hat und nun auch die Früchte einer komplett erneuerten Produktpalette einfährt.

Da wird BMW nicht nachstehen wollen, schon gar nicht im Jahr des 100. Geburtstags, zu dessen Feier am 7. März die Konzern-Website unübersehbar den Countdown runterzählt.

Weil sich die Münchener ganz unbescheiden als "Vorreiter der Branche" sehen und das auch die nächsten 100 Jahre bleiben wollen, hat BMW seine Elektroauto-Strategie überarbeitet und wird im Jahr 2020 eine Elektro-Limousine oder einen Elektro-SUV mit 500 Kilometern Reichweite auf den Markt bringen, wie manager magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet. Damit will BMW wieder "Innovationsführer" in dem Segment werden.

Klar ist, Elektroautos werden auf absehbare Zeit - staatliche Kaufprämien hin oder her - noch lange ein Zuschussgeschäft bleiben. Zugleich verschlingen Elektroauto-Strategie samt Digitalisierung viel Geld. Das muss erst einmal verdient werden. Die große Geldernte will BMW offenbar mit neuen großen Luxuslimousinen einfahren, die nach wie vor die größten Margen abwerfen.

"Schneller und sportlicher" als die S-Klasse soll ein neuer 7er sein

So plant Konzern-Chef Krüger laut "Handelsblatt", die Siebener-Reihe auszuweiten. In der Diskussion sei die Entwicklung eines Coupés nach dem Vorbild des legendären Achter-BMW aus den 80er Jahren, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. "Schneller und sportlicher" als die S-Klasse der neue 7er sein.

In der absoluten Oberklasse fährt BMW mit seiner 7er-Reihe Mercedes schon länger hinterher. Das wird sich wohl auch in diesem Jahr nicht ändern: Die Neuauflage des 7er könnte in diesem Segment den BMW-Absatz auf 60.000 steigern. Damit blieben die Münchener aber immer noch weit hinter Mercedes. Allein das im Jahr 2013 neu aufgelegte S-Klassen-Flaggschiff verkaufe jährlich rund 100.000 Mal, heißt es in dem Bericht. In diesem Segment verdiene Mercedes jedes Jahr rund eine Milliarde Euro mehr, hätte BMW ausgerechnet.

Ein Grund ist, dass Mercedes mit einer weiteren Coupé-Version und der Luxuskarosse Maybach in diesem Segment auch breiter aufgestellt ist als BMW. Da BMW mit einer Superluxus-Variante des 7er seiner Tochter Rolls-Royce aber nicht das Wasser abgraben will, plane man in München nun in Anlehnung an die hochmotorisierte 8er-Reihe der 80er Jahre ein neues 7er-Spitzenmodell.

Für hohe Margen soll auch der Riesen-SUV X7 sorgen, den BMW im Jahr 2018 auf den Markt bringen wird.

Mit dem geplanten Coupé und dem SUV-Riesen stockt BMW sein Oberklasse-Angebot auf. Das größere Angebot an hochpreisigen Oberklasse-Wagen soll zu deutlich höheren Gewinnen führen. Denn die benötigt BMW, um seine Zukunft zu finanzieren - für die die Bayern eine klare Vision haben: Sie wollen ein Mobilitätsanbieter und Elektroautobauer sein, für dessen erstklassig designte und digitalisiert-veredelte Produkte die Kunden bereit sind, deutlich höhere Preise zu zahlen. Wie bei Apple eben.

Ob das reichen wird, Mercedes auf Distanz zu halten, bleibt abzuwarten. Vielleicht hilft BMW-Chef Harald Krüger dabei ein wenig, dass Angreifer und Daimler-Chef Zetsche dann sehr wahrscheinlich nicht mehr an Bord ist.

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