Samstag, 24. Juni 2017

3D-Druck, Mitfahr-App, E-Busse Wo BMW überall nach der Zukunft sucht

Zukunftsvisionen wie den Next100 stellt BMW gerne auf vier Räder, nebenher investieren der Autobauer still in ein gutes Dutzend Mobilitäts-Startups

Der Münchner Autoriese BMW Börsen-Chart zeigen stellt neben Luxusautos auch Motorräder her. Bei den vier- und zweirädrigen Fahrzeuge gibt es Modellvarianten, die ausschließlich mit Batteriestrom fahren. Doch mit Elektrobussen hatte BMW bislang nichts am Hut - bis vor wenigen Tagen.

Da erklärten die Münchner nämlich, über ihre Risikokapitaltochter "i Ventures" beim US-Busproduzenten Proterra mitzumischen. Das kalifornische Startup, das von einem ehemaligen Tesla-Manager geführt wird, hat sich auf Busse mit reinem Elektroantrieb spezialisiert. Laut Eigenangaben hat Proterra bereits 400 seiner Elektrobusse an Städte wie Dallas und Philadelphia verkauft.

Genaue Umsatzzahlen veröffentlicht das 2004 gegründete Unternehmen nicht, doch ein einzelner Proterra-Bus schlägt mit rund 750.000 Dollar ins Kontor. BMWs Venture-Capital-Tochter hat sich nun an einer Risikokapitalrunde über 55 Millionen Dollar beteiligt. Wie viel die Münchner davon bereitgestellt haben, verraten sie - wie bei solchen Transaktionen üblich - nicht.

Doch der Deal rückt auch BMWs Tochter "i Ventures" wieder einmal ins Rampenlicht. BMW ist bislang der einzige deutsche Autohersteller, der sich einen eigenen Venture-Capital-Arm für Startups leistet. Der Autoriese GM verfolgt mit seinen "GM Ventures" ein ähnliches Konzept: Die Kapitalgeber der Autohersteller beteiligen sich an vielversprechenden Startups oder kaufen diese komplett auf.

15 von 1000 - so stark siebt "i Ventures" aus

Daimler und Volkswagen verfolgen mit eigenen Einheiten einen etwas anderen Ansatz: Die Stuttgarter gönnen sich eine eigene Einheit namens Business Innovation, die selbständig Geschäftsideen entwickelt oder sich an Startups beteiligt. Bei Volkswagen soll die neue Mobilitätssparte Moia, die als eigenständige Gesellschaft agiert, das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen vorantreiben.

Auch die großen internationalen Konkurrenten Toyota, Ford oder Renault-Nissan gehen ganz ähnlich vor - und kaufen sich bei vielversprechenden Startups ein. Die Risikokapital-Töchter und Innovations-Einheiten sollen neue Geschäftsfelder erschließen oder ausprobieren für jene Zeiten, in denen mit dem Bauen und Verkauf von Neuwagen - dem klassischen Kerngeschäft der Autohersteller also - nicht mehr das große Geld zu machen ist.

BMWs Kapitaltochter ist da durchaus experimentierfreudig: Vor fünf Jahren haben die Münchner "i Ventures" gegründet. 100 Millionen Dollar hatte das Unternehmen anfangs zur Verfügung.

Das klingt erstmal reichlich - hat sich zuletzt als ziemlich kleine Summe herausgestellt. GM etwa hat sich alleine seinen Einstieg beim dem Uber-Konkurrenten Lyft 500 Millionen Dollar kosten lassen. VW steckte im vergangenen Jahr 300 Millionen Dollar in die Taxi-App Gett. Ford will gleich eine Milliarde Dollar in Argo AI investieren, ein Startup rund um autonomes Fahren und künstliche Intelligenz.

BMW backt derweil lieber deutlich kleinere Brötchen - zu kleine, wie manche Beobachter meinen. Ende vergangenen Jahres zog i Ventures von New York nach Mountain View im Silicon Valley um. Dabei stockte die Mutter BMW das Investitionskapital auf - auf moderate 500 Millionen Dollar für die kommenden zehn Jahre auf.

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