Donnerstag, 24. August 2017

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Kooperationsgespräche vorerst ausgesetzt BMW fühlt sich von Daimler hintergangen

Beziehung gestört: Daimler-Chef Dieter Zetsche (l.) und BMW-Chef Harald Krüger (Mitte)

In der Frage möglicher Kartellabsprachen fühlt sich BMW von Daimler hintergangen - und will jetzt offenbar die Zusammenarbeit für verschiedene Projekte vorerst einstellen. Betroffen seien unter anderem der gemeinsame Einkauf von Autoteilen bei Zulieferfirmen. Auch ein geplantes Tankstellennetz für Elektroautos könnte sich verzögern, heißt es.

In München liegen die Nerven blank: Der Autobauer BMW hat Kooperationsgespräche zu neuen Projekten mit dem Rivalen Daimler vorläufig ausgesetzt. Die Münchener seien empört über das Vorgehen der Stuttgarter Konkurrenz in Bezug auf die Vorwürfe möglicher Kartellabsprachen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Konzernkreise hätten entsprechende Angaben aus Branchenkreisen zur Einstellung von Gesprächen bestätigt. Einen Vorstandsbeschluss bei BMW gebe es zwar nicht, das Management wolle aber die Zusammenarbeit kritisch hinterfragen. Betroffen sind demnach mehrere Bereiche, unter anderem der gemeinsame Einkauf von Autoteilen bei Zulieferfirmen. Ein geplantes Tankstellennetz für Elektroautos könne sich verzögern.

Laut "SZ" reagiere BMW damit auf die Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autohersteller, die auch auf einer Art Selbstanzeige von Daimler bei der EU-Kommission in Brüssel beruhen. Diese Selbstanzeige, die Daimler offenbar schon 2014 gestellt hat und nun hofft, um eine milliardenschwere Strafe zu umgehen, sorge bei BMW für große Verärgerung.

Das verwundert nicht: Denn im Gegensatz zu Daimler und Volkswagen hat sich BMW selbst nicht angezeigt und dürfte daher vermutlich auch nicht mit Straferlass oder einer Art Kronzeugenregelung bei den europäischen Behörden rechnen.

"Das Vertrauen ist total beschädigt", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Industriekreise. Man befinde sich "mitten in einem Tsunami". BMW und Daimler wollten sich auf Anfrage zur vorläufigen Einstellung von Kooperationsgesprächen nicht äußern.

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Bild: REUTERS

Laut "Spiegel" sollen sich Vertreter der deutschen Autobauer seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig in Arbeitskreisen getroffen haben, um sich über die Technik ihrer Fahrzeuge sowie über Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abzusprechen. Dabei soll es auch um die Abgasreinigung mit dem Zusatz von AdBlue und um die Größe der dafür nötigen Tanks gegangen sein. Letztlich sei damit auch die Basis für die Dieselmanipulation gelegt worden, unter deren Folgen die Hersteller derzeit ächzen.

BMW weist den Verdacht wettbewerbswidriger Absprachen bei der Abgasreinigung zurück, streitet aber nicht ab, dem Fünfer-Kreis angehört zu haben, wo sich die Entwicklungsvorstände der Autobauer über Jahre beraten und abgesprochen haben sollen - zum Beispiel auch über einheitliche Standardlösungen, die dem Kunden durchaus auch zugute kommen können.

Volksagen kommentiert Berichte über Selbstanzeigen und mögliche Kartellabsprachen bislang ebenso wenig wie Daimler. Konzern-Chef Dieter Zetsche spricht in diesem Zusammenhang von Spekulationen in Medienberichten, zu denen er nichts sagen werde.

"In der Tat macht die Autoindustrie derzeit Schlagzeilen - und keine guten", sagte Zetsche am Mittwoch in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen des Konzerns. Er könne die Wünsche nach mehr Klarheit verstehen. "Aber wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen."

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rei mit Reuters

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