Mittwoch, 24. Oktober 2018

Top-Personalie BMW-Vorstand wird VW-Markenchef

Neuer Glanz dringend notwendig: Ein BMW-Manager soll die schwächelnde Kernmarke wieder auf Vordermann bringen

VW-Chef Martin Winterkorn gibt einen Teil der Macht ab: BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess soll als VW-Vorstandsmitglied ab Oktober 2015 die schwächelnde Marke VW auf Touren bringen.

Wolfsburg - Europas größter Autobauer Volkswagen Börsen-Chart zeigen bedient sich für eine Top-Personalie beim Konkurrenten BMW Börsen-Chart zeigen. Die Wolfsburger holen den Entwicklungschef der Münchner, Herbert Diess, zu sich in den Konzernvorstand.

Der 56-Jährige, der bei BMW seit 2007 im Vorstand arbeitet, wechselt mit Wirkung zum 1. Oktober 2015 zu Volkswagen, wie die Niedersachsen am Dienstag mitteilten. BMW gab am Dienstag fast parallel bekannt, dass BMW-Konzernchef Norbert Reithofer ein Jahr früher als ursprünglich geplant sein Amt abgibt. Produktionschef Harald Krüger übernimmt am 13. Mai 2015 den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei BMW.

Mit der Verpflichtung des BMW-Managers Diess sorgt Volkswagen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für Aufsehen in der Branche. Im Frühling hatten die Wolfsburger den Daimler-Vorstand und Nutzfahrzeugexperten Andreas Renschler abgeworben, um mit ihm ihre Lkw- und Bus-Allianz aus den Marken MAN und Scania zu stärken. Renschler wird im VW-Vorstand im Februar 2015 beginnen. Langen Wartezeiten vor einem Wechsel zur Konkurrenz - so wie nun auch bei Diess - haben vertragliche Gründe.

Neu geschaffenes Vorstandsressort für den BMW-Mann

Nach den Nutzfahrzeugen geht VW mit BMW-Mann Diess nun eine weitere Baustelle im Konzern an: die renditeschwache Kernmarke VW-Pkw. Ihre Führung liegt bisher in Personalunion bei Konzernchef Martin Winterkorn. Für Diess' Aufgabe wird das zusätzliche Vorstandsressort "Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw" neu geschaffen.

Dass Volkswagen einen eigenen Vorstand für die Kernmarke benennt, kommt gleichwohl überraschend. Vor zwei Monaten hatte Winterkorn in einem Interview mit dem "Spiegel" noch die bisherige Konstruktion verteidigt. Zwar halte er viel davon, Verantwortung "sinnvoll zu verteilen", sagte Winterkorn damals. Doch "das Führen der Kernmarke plus Konzernfunktion gibt Stärke. Sicher ist sehr viel auf meine Person zugeschnitten, aber gewisse Dinge können Sie nicht delegieren."

Die Pkw-Kernmarke, die im Volkswagen-Konzern etwa für die Hälfte der Umsätze sorgt, hinkte zuletzt mit einer Renditekraft von rund 2 Prozent merklich den Zielen hinterher. Winterkorn hatte im Sommer ein milliardenschweres Spar- und Effizienzprogramm für die Pkw-Marke mit dem VW-Logo aufgelegt und tiefgreifende Verbesserungen angemahnt - unter anderem bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb.

rei/dpa-afx

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