Samstag, 16. Dezember 2017

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Deutsche Umwelthilfe klagt an BMW wähnt "gezielte Kampagne"

Bei einem neuen BMW 320d (hier eine älteres Modell) will die Deutsche Umwelthilfe im Straßentest extrem hohe Stickoxidwerte gemessen haben

BMW weist Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zurück, der Autobauer habe in einem Diesel-Modell eine Abschalteinrichtung eingesetzt. Die Deutsche Umwelthilfe spricht aber von "klaren Indizien".

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will die Typzulassung eines von ihr getesteten BMW-Modells wegen angeblich zu hoher Abgaswerte überprüfen lassen. Man habe eigene Messergebnisse dem Bundesverkehrsministerium und dem Kraftfahrtbundesamt zukommen lassen, sagte DUH-Chef Jürgen Resch am Dienstag. Sollten sich die Messungen bestätigen, fordert Resch einen Entzug der Typzulassung "und gleichzeitig einen amtlichen Rückruf für alle Fahrzeuge zu veranlassen, die eine ähnliche Abgasreinigung haben." Es geht um einen BMW 320d aus dem Jahr 2016. BMW weist die Vorwürfe zurück.

Die DUH wirft im Dieselskandal nun auch BMW vor, Abgassoftware manipuliert und illegale Abschalteinrichtungen in die Abgasreinigung seiner Fahrzeuge eingebaut zu haben. Messungen der DUH hätten ergeben, dass die Emissionen von Stickoxiden bei einem neuen BMW 320 Diesel bei Messungen auf der Straße bis zu sieben Mal so hoch lagen wie im Labortest nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), hatten der Tagesspiegel" und das ZDF-Magazin "Wiso" zuvor berichtet.

BMW wähnt eine "gezielte Kampagne"

BMW erklärte, Fahrzeuge des Konzerns entsprächen grundsätzlich "den jeweils gültigen gesetzlichen Vorschriften". Sie seien nicht manipuliert. Zudem habe der TÜV Süd ein technisch identisches Modell schon 2015 überprüft und ein "sehr robustes Abgasverhalten" bescheinigt. "Wenn ein Tester bewusst und zielgerichtet untypische Fahrweisen im Randbereich erzwingt, dann hat das Züge einer gezielten Kampagne", sagte Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich.

Laut DUH habe sich bei Überprüfungen der Motorsteuerung auch mit Hilfe externer Experten herausgestellt, dass die Software offenbar so programmiert gewesen sei, dass die Abgasrückführung bereits ab einer Drehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute reduziert und ab 3500 Umdrehungen komplett abgeschaltet werde.

"Die vorliegenden Messergebnisse sind sehr klare Indizien dafür, dass hier Abschalteinrichtungen in der Motorsteuersoftware vorhanden sind", so Resch. Diese müssten komplett entfernt werden.

BMW entgegnete: "Es gibt bei der BMW Group keinerlei Aktivitäten und technische Vorkehrungen, den Prüfmodus zur Erhebung von Emissionen zu beeinflussen - das heißt, dass unsere Abgassysteme sowohl auf dem Prüfstand wie auch in der Praxis aktiv sind." Weiter erklärte BMW, "dass Fahrbedingungen, die von der gesetzlich vorgeschriebenen NEFZ-Rollenprozedur abweichen, auch zu höheren Emissionen führen können und dürfen".

rei/afp/Reuters

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