Montag, 30. Mai 2016

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Blamables Interview des VW-Chefs Alles Müller - leider!

Matthias Müller: "Wir haben nicht gelogen"

Angesichts der desaströsen Videobotschaft von Martin Winterkorn kurz vor dessen Rücktritt sollte man meinen, dass die Volkswagen-Kommunikation ihre Chefs besser auf öffentliche Auftritte vorbereitet. Doch Müllers Katastrophen-Interview in den USA wird wohl nicht das letzte gewesen sein. Aber auch das Vorgehen des US-Senders NPR ist nicht fair.

Bislang war ich der festen Überzeugung, dass die Volkswagen-Kommunikation die Abgaskrise langfristig in den Griff bekommen wird. Das Auftreten des Vorstandschefs Matthias Müller schürt nun enorme Zweifel daran. Dabei schien insbesondere das taktische Vorgehen der VW-Kommunikation rund um die Krise zunächst gut geeignet zu sein, Verbrauchervertrauen zurück zu gewinnen.

In den USA funktioniert das so, dass man durch ein Tal der Tränen gehen muss, um dann geläutert wieder zu neuem Glanz zu gelangen. Politisch können die Clintons ein Lied davon singen, und auch die US-Autokonzerne mussten sich selbst öffentlich demütigen, nachdem die Chefs der wirtschaftlich angeschlagenen Automobilhersteller zur Anhörung in Washington im Privatflieger angereist waren.

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt
    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. In seinem Buch "Feedback - Kommunikation optimieren" (Vistas, 12 Euro), beschäftigt er sich im Kapitel "Volkswagen - verbales Abwracken" ausführlich mit der Auseinandersetzung zwischen Winterkorn und Piech. www.buschardt.de
Dagegen ist der der Auftritt von VW-Chef Müller beim amerikanischen Radiosender NPR mehr als bemerkenswert. Er hat das Zeug, in die Geschichte einzugehen.

Wie war das noch mal? Volkswagen hat mithilfe einer Manipulationssoftware die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge geschönt und damit Kunden, Behörden und die Öffentlichkeit getäuscht. Das Unternehmen hat den Betrug inzwischen eingestanden. Und dann das:

NPR: Sie sagten, dies sei ein technisches Problem, aber die amerikanische Öffentlichkeit hat das Gefühl, es sei kein technisches Problem, sondern ein ethisches Problem (…) Wie möchten Sie diese Wahrnehmung in den USA verändern?

Müller: Ehrlich gesagt, es war ein technisches Problem. (…) Wir hatten einige Ziele für unsere Techniker, und sie lösten dieses Problem und erreichten diese Ziele mit einer Softwarelösung, die nicht vereinbar war mit dem amerikanischen Gesetz. Das ist der Punkt. Und die andere Frage, die Sie erwähnten, nach dem ethischen Problem - ich kann nicht verstehen, warum sie das sagen.

Ein Detail verschweigt Müller: VW hat mit der Software nicht das Problem zu hoher Abgaswerte gelöst, sondern das Testverfahren manipuliert. Im Alltagsbetrieb waren die Abgaswerte also deutlich höher. Das ist in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit (nicht nur der amerikanischen!) ein juristisches Problem, das es noch zu klären gilt und vor allem ein moralisches Problem: Die Öffentlichkeit und die VW-Kunden zu belügen. Denn nichts anderes ist es, wenn in den Verkaufsprospekten Abgaswerte vorgegaukelt werden, die niemals im Fahrbetrieb erreicht werden können.

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