Montag, 20. November 2017

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Softbank prüft Einstieg bei Berliner Start-up Auto1 100-Mrd-Techfonds hofiert deutsches Gebrauchtauto-Start-up

Auto1 Group: Die Firma hinter der Website WirKaufenDeinAuto.de hat sich zum Startup-Riesen entwickelt

Knapp 100 Milliarden Dollar hat der Vision Fund des japanischen Tech-Konglomerats Softbank für Investitionen zur Verfügung. Zwei Drittel des Kapitals für den weltweit größten Tech-Fonds stammen von staatlichen Investmentfonds im arabischen Raum. Erklärtes Ziel des Fonds ist es, in besonders zukunftsweisende Start-ups zu investieren - also in alles, was mit künstlicher Intelligenz, Robotik und dem Internet der Dinge zu tun hat.

Vor diesem Hintergrund verwundert die jüngste Meldung über den Softbank-Fonds doch etwas: Laut einem Bericht der Financial Times(FT) erwägt Softbank den Einstieg bei dem deutschen Start-up Auto1 - jenem Unternehmen, das hinter der Website WirKaufenDeinAuto.de steckt.

Dieses hat mit hehren Weltveränderungs-Zielen wenig zu tun: Auto1 kauft vorwiegend von Privatleuten Gebrauchtwagen an, nachdem die Autos von Fachleuten gründlich geprüft wurden. Gegen Aufschlag verkauft Auto1 diese Fahrzeuge an Gebrauchtwagenhändler weiter. Das 2012 in Berlin gegründete Start-up tut in großem Maßstab: Im vergangenen Jahr hat Auto1 1,5 Milliarden Euro umgesetzt, in diesem Jahr bereits 330.000 Gebrauchtfahrzeuge umgeschlagen.

Laut Eigenangaben hat Auto1 bereits über 800.000 Kunden und 35.000 Handelspartner - und eine Menge Vorschussvertrauen von Geldgebern: Im Sommer hat Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von den Venture-Kapital-Fonds Target Global, Princeville Global, Baillie Gifford und einigen Banken erhalten.

Ein "Einhorn" aus Berlin

Ein möglicher Einstieg der Softbank bei Auto1 könnte in den kommenden Wochen besiegelt werden, heißt es bei der FT. Wie hoch ein mögliches Softbank-Investment ausfallen könnte, wollte aber noch niemand sagen.

Doch allein schon der Bericht über das Interesse von Softbank dürfte die Bewertung von Auto1 nun über jene 2,5 Milliarden Euro heben, die das Start-up in der letzten Finanzierungsrunde im Mai hatte. Damit wäre Auto1 das am zweithöchsten bewertete, in privater Hand befindliche Start-up nach der schwedischen Musikstreaming-Plattform Spotify. Auto1 gilt damit in der Welt der Risikokapitalgeber schon länger als "Einhorn", also als Start-up mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar.

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Gegründet wurde Auto1 im Jahr 2012 von Christian Bertermann, einst Produktchef des Online-Couponspezialisten Groupon, und Hakan Koc, früher ranghoher Manager des Online-Möbelhändlers Home24 aus dem Start-up-Reich der Gebrüder Samwer. Das Gespann aus Betriebswirt Bertermann und dem Juristen Koc gab sich bisher sehr verschwiegen: Bei Fachveranstaltungen traten sie zwar gelegentlich auf, doch ihr erstes großes Interview gaben die beiden erst vor wenigen Tagen.

Darin stellten sie Auto1 als einen seriösen Mittelsmann zwischen Gebrauchtwagenverkäufer und Händler dar, der objektive Gutachten über einen Wagen erstellen lässt und dessen Historie dokumentiert. Der Vorteil für die Autoverkäufer sei - neben einem fairen Preis - auch der Wegfall von Behördengängen. Und Gebrauchtwagenhändler könnten dank Auto1 schneller an die passenden, technisch überprüften Gebrauchtwagen kommen.

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