Freitag, 14. Dezember 2018

Fluchttendenzen bei Opel Die neuen Opel-Herrscher steuern auf Konflikt mit IG Metall zu

Der Chef und sein Opel-Chef: Carlos Tavares (l.) und Michael Lohscheller.

Carlos Tavares hat einen Ruf zu verlieren: den des erfolgreichen Autokonzern-Sanierers. Also hat der Chef von PSA Peugeot Citroën nach der Übernahme von Opel glasklar gemacht, was er mit der verlustreichen Traditionsmarke aus Allemagne vorhat: sanieren.

Inzwischen muss der Portugiese allerdings aufpassen, dass ihm dafür nicht die Leute abhanden kommen. Nach Informationen von manager-magazin.de haben nach Marketingchefin Tina Müller und Personal-Chef Ulrich Schumacher in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche weitere Top-Manager der zweiten oder dritten Führungsebene Opel verlassen, etwa Christian Löer, der Marketingdirektor für Deutschland, Michael Eiermann, Fertigungsdirektor im Werk Rüsselsheim, Christian Mengel, Director Advanced Vehicle oder Marzell Bandur, der Director Supply Chain Planning.

Einige schlugen gleich bei Konkurrenten auf wie Ralph Hannapel, Direktor Elektrifizierung, der zu LandRover wechselte, oder Birgit Böhm, inzwischen Treasury-Chefin bei BMW. Bei Personalberatungen wie Egon Zehnder heißt es zudem, etliche Opel-Topleute suchten nach neuen Jobs. Und es seien "nicht die schlechten".

Die Begründung ist, zumindest inoffiziell, nahezu immer dieselbe. Die neuen Herren von PSA üben einen enormen Druck aus, die von Tavares zu Opel entsandten Geschäftsführer Rémi Girardon (Produktion) und Philippe de Rovira (CFO) ließen Michael Lohscheller, formal Opel-Chef, kaum Raum zur Entfaltung. Im Management schimpfen sie über einen "clash of culture".

Die neue Wirklichkeit sorgt auch in den niedrigeren Rängen für Fluchtbewegungen. So sollen seit Januar bereits 1500 Verträge für Altersteilzeit und Vorruhestand abgeschlossen sein, wobei die Mehrheit den Vorruhestand - und damit den sofortigen Ausstieg - wählt. "Die freiwilligen Angebote für Altersteilzeit und Vorruhestand werden sehr gut angenommen", kommentiert ein Opel-Sprecher.

Lohscheller warb jüngst im Mitarbeitermagazin für den harten Kurs der Franzosen. Die Wettbewerber seien Opel "weit voraus", die Zahlen ernüchternd: "Während andere deutsche Automobilhersteller Rekordergebnisse vermelden, haben wir im vergangenen Jahr weiter Verluste geschrieben. Allein im Zeitraum vom 1. August bis zum Jahresende als Teil der Groupe PSA ist ein Minus von 179 Millionen Euro angefallen - rechnerisch ergibt sich daraus eine Rendite von minus 2,5 Prozent", so Lohscheller.

Schon gibt es Anzeichen, dass Tavares frühere Zusagen infrage stellt, um seinen Ruf halten zu können. So soll er sein Versprechen, die deutschen Tarifverträge zu akzeptieren, nicht mehr für sakrosankt halten.

Einen ersten Showdown könnte es im Werk Eisenach geben: Dort wollen Tavares' Leute die eigentlich zugesagten zwei Modelle nur bauen, wenn die IG Metall Abweichungen vom Tarifvertrag genehmigt. Die Gewerkschafter zeigen sich bislang aber naturgemäß hartleibig.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH