Samstag, 25. Juni 2016

Zellproduktion für Elektroautos Autobranche wagt sich jetzt doch an deutsches Batteriewerk

Geplatzter Traum: Wie Daimlers hochmoderne Batteriefabrik zum Flop wurde
Fotos
Maynards

Auf den ersten Blick spricht wenig dafür, es noch einmal zu versuchen. "Derzeit sind Überkapazitäten in der Batteriezellherstellung vorhanden", ein Ausbau der Produktion sei "aus heutiger Sicht wirtschaftlich nicht darstellbar", heißt es in einem an diesem Donnerstag vorgelegten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), in der sich Industriekonzerne mit Unterstützung der Bundesregierung zusammengefunden habe.

So schön der Plan dieser Plattform einst klang, Deutschland zum führenden Standort auch der Autotechnik der Zukunft mit allen Komponenten zu machen - man müsse auch aus Fehlern wie dem von Daimler und Ex-Partner Evonik im sächsischen Batteriewerk Kamenz lernen. Dort wird heute zwar wieder kräftig investiert, aber nur in die Produktion von Batteriepacks, nicht der darin enthaltenen Zellen, die für den Großteil der Wertschöpfung stehen.

Die benötigten Lithium-Ionen-Akkus sind heute als billige Massenware aus Asien verfügbar, die Hersteller erweitern ihre Kapazität auch noch gewaltig mit Teslas Hilfe. Die deutsche Industrie ist schlicht nicht konkurrenzfähig.

Im "best case" ist der Standort D so gut wie Südkorea

Doch das Papier, an dem maßgebend Vertreter von Daimler Börsen-Chart zeigen, Bosch und dem ebenfalls auf die Batterietechnik der Zukunft setzenden Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen zusammen mit den Beratern von Roland Berger mitgewirkt haben, empfiehlt dennoch eine konkrete Roadmap:

Noch in diesem Jahr solle die Industrie sich für einen neuen Anlauf zu einer Zellproduktion in Deutschland entschließen, dann aber mit Batterien der dritten Generation, die ab 2020 marktreif sein sollen - rechtzeitig, bevor die erhoffte Nachfrage nach Elektroautos tatsächlich in Schwung komme.

Empfohlen wird ein Produktionsstart im Jahr 2021, bis zum Jahr 2025 solle dann die Kapazität von Zellen mit einer Speicherleistung von 13 Gigawattstunden jährlich erreicht werden - erst Massenproduktion macht das auf 1,3 Milliarden Euro bezifferte Investment profitabel.

Die Standortbedingungen in Deutschland seien sogar mit den besten Alternativen wie Südkorea, Polen oder USA zu vergleichen - jedenfalls im "best case" mit ostdeutschen Löhnen und einer Befreiung des Werks von der Erneuerbare-Energien-Umlage.

Die Industrie scheint den Ruf der IG Metall sowie der Betriebsräte von Volkswagen, BMW und Daimler zu erhören, die in gemeinsamem Appell vor einer Abwanderung der Schlüsselindustrie mit dem technologischen Wandel warnen. Allerdings wagt sie sich nicht ganz bedingungslos an das Projekt mit zahlreichen Risiken. "Dabei ist eine staatliche Förderung zu prüfen", heißt es in dem Bericht - das Thema ist von der Nationalen Plattform Elektromobilität bekannt.


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier. Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Newsletter von Arvid Kaiser
Folgen Sie Arvid Kaiser auf twitter
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH