Mittwoch, 20. Februar 2019

Riesen-Bewertung für Börsengangs-Zuschlag? Banken jazzen Uber auf 120 Milliarden Dollar Wert hoch

Logo des Fahrdienstes Uber an einem Auto

Man kann diese Zahl als Vertrauensvorschuss nach turbulenten Zeiten werten - oder als Banker-Kalkül für höhere Gebühren: Laut einem Medienbericht hat der umstrittene Fahrdienst Uber nun eine turmhohe Bewertung von zwei US-Investmentbanken erhalten. Goldman Sachs und Morgan Stanley veranschlagen den Börsenwert von Uber auf satte 120 Milliarden Dollar, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Beide Banken haben die besten Chancen auf die Begleitung der Emission.

Dass Goldman Sachs und Morgan Stanley die Bewertungsgutachten bereits im September vorgelegt hätten, deute darauf hin, dass der Börsengang schon Anfang des Jahres stattfinden könnte, hieß es in dem Bericht. Börsenkandidaten heuern die begleitenden Investmentbanken in der Regel ein halbes Jahr vorher an. Bisher hat sich Uber nur auf einen Börsengang im nächsten Jahr festgelegt. Das Unternehmen wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Mit der dreistelligen Milliardenbewertung greifen die Banken hoch: Die Bewertung von Uber fiele so doppelt hoch aus als bei der jüngsten Finanzierungsrunde von Uber vor zwei Monaten. Beim 500 Millionen Dollar schweren Einstieg des japanischen Autobauers Toyota im August war Uber noch mit 76 Milliarden Dollar bewertet worden. Sollte sich diese Bewertung tatsächlich am Markt durchsetzen, wäre Uber so viel an der Börse wert wie die die drei großen US-Autohersteller GM, Ford und Fiat Chrysler zusammen. Der deutsche Autoriese Volkswagen kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 83 Milliarden Dollar.

Allerdings dürften die Wall-Street-Banken ihre Prognosen auch bewusst hoch ansetzen, um sich mit ihren Bewerbungen den Zuschlag für das lukrative Geschäft zu sichern. Die Finanzmärkte fiebern schon lange Ubers für 2019 angepeilten Börsengang entgegen. Erst im August hatte Uber nach dreijähriger Suche einen neuen Finanzchef gefunden, der für die Planung des Börsengangs sehr wichtig sein dürfte.

Gewinne schreibt Uber frühestens in drei Jahren

Der Fahrdienst-Vermittler Uber wurde im Jahr 2009 gegründet und gilt als eines der wertvollsten Start-Ups der Welt. Von privaten Geldgebern wurde das Unternehmen trotz hoher Verluste jahrelang üppig finanziert. In den letzten zwei Jahren kämpfte Uber jedoch mit einer Reihe von Skandalen: Mitarbeiter warfen Managern sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vor, die Google-Mutter Alphabet verklagte Uber wegen des vermuteten Diebstahls geistigen Eigentums. Uber-Mitgründer Travis Kalanick, lange das Aushängeschild des Fahrdienst-Vermittlers, musste das Unternehmen verlassen - und mit ihm mehrere Topmanager.

Der neue Uber-CEO Dara Khosrowshahi bemüht sich seit gut einem Jahr, Investoren, Fahrer und Uber-Kunden zurückzugewinnen. Er setzt dabei unter anderem auf ein wachsendes Angebot an App-Diensten und den Einstieg in die Vermittlung von Elektroscootern und Fahrrädern.

Gewinne schreibt Uber aber weiterhin nicht. Zumindest in den kommenden drei Jahren werde Uber nicht profitabel arbeiten, heißt es laut WSJ in Uber-Dokumenten zur Begebung einer Anleihe. Immerhin soll der Umsatz in diesem Jahr auf 10 bis 11 Milliarden Dollar steigen, im vergangenen Jahr waren es 7,8 Milliarden.

mit Material von Reuters, dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung