Mittwoch, 21. November 2018

Autozulieferer auf Expansionskurs VW-Schreck Prevent übernimmt deutschen Guss-Spezialisten

Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent in Warmenau bei Wolfsburg (Niedersachsen).

Diesen Zukauf dürften die Volkswagen-Einkäufer mit Argusaugen beobachten: Die durch ihren spektakulären Streit mit VW bekannt gewordene Prevent-Gruppe kauft erneut in Deutschland zu. Bei der feindlichen Übernahme des Zulieferers Grammers war die von der bosnischen Hastor-Familie kontrollierte Prevent-Gruppe im vergangenen Jahr gescheitert, der von den Hastors übernommene Küchenhersteller Alno ist pleite - doch nun gelingt Prevent der Zukauf eines kleineren deutschen Autozulieferers: Prevent übernimmt den saarländischen Gussteile-Spezialisten Halberg Guss.

Das Bundeskartellamt habe die Übernahme von Halberg Guss mit rund 3000 Mitarbeitern durch die zu Prevent gehörende Castanea Rubra Assets GmbH genehmigt, teilte ein Sprecher der Investoren am Montag mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" darüber berichtet.

Halberg produziert den Angaben zufolge in Saarbrücken, Leipzig und Kapstadt in Südafrika Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen für Autos und Lastwagen. Zu den Kunden gehören laut Firmenangaben alle großen Autohersteller, darunter auch VW. Den Angaben des Sprechers zufolge ist Halberg nun die dritte Gießerei innerhalb der Prevent-Gruppe. Bislang hatte das Unternehmen der Süddeutschen Beteiligungs-Gesellschaft gehört.

Im Sommer 2016 hatten zwei Prevent-Töchter im Streit um Geld für ein abgeblasenes Projekt keine Getriebeteile und Sitzbezüge mehr an Volkswagen geliefert und damit die Produktion zeitweise lahmgelegt. Für Aufruhr sorgte außerdem die gescheiterte Machtübernahme beim bayerischen Zulieferer Grammer. Den Autobauer Daimler hat Prevent wegen eines Liefer-Streits auf Schadenersatz verklagt.

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sieht hinter den Zukäufen die Strategie, sich unverzichtbar zu machen. "Der Prevent-Gruppe bleibt nichts anderes übrig, als sich über Zukäufe ein Blockadepotenzial zu erarbeiten", sagte er. Die Aktion bei VW habe in der ganzen Branche viel Porzellan zerschlagen. Nun werde wieder jeder Hersteller schauen, ob er seine Produktion anders absichern könne. Letztlich müsse Prevent daher daran interessiert sein, das Verhältnis wieder zu entspannen, sagte Bratzel. Auf lange Sicht werde der Kurs sonst nicht funktionieren.

wed/dpa

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