Freitag, 14. Dezember 2018

Autozulieferer-Milliardär verklagt Tochter auf 500 Mio Dollar Magna-Gründer Stronach zettelt millionenschweren Familienzwist an

Magna-Gründer Frank Stronach (2014)

Leise konnte dieser Milliardär noch nie gut: Der österreichisch-kanadische Industrielle Frank Stronach, Gründer des Autozulieferkonzerns Magna International Börsen-Chart zeigen und ehemaliger Parteichef, verklagt seine eigene Tochter.

Wie aus kanadischen Justizkreisen verlautete, wirft der 86-Jährige seiner Tochter Belinda Missmanagement vor und fordert von ihr 520 Millionen kanadische Dollar (345 Millionen Euro). Die Klage wurde bereits Anfang Oktober beim Gerichtshof von Ontario eingereicht, wie das Gericht bestätigte.

Umtriebig war er immer schon, der Fabrikarbeiter-Sohn Stronach aus dem österreichischen Städtchen Weiz: Mit 22 Jahren wanderte Stronach nach Kanada aus. Dort gründete 1957 den Autoteile-Produzenten Magna und pushte sein Unternehmen zum milliardenschweren Zulieferer-Riesen.

Nach seiner zeitweisen Rückkehr nach Österreich Mitte der 1980er-Jahren trat Stronach vor knapp einem Jahrzehnt auch in Deutschland in Erscheinung: 2009 wollte Magna den Autohersteller Opel übernehmen. Der Autozulieferer scheiterte mit seinen Plänen jedoch am Widerstand der damaligen Opel-Mutter General Motors. Dem US-Autoriesen waren unter anderem Magna russische Partnerbanken ein Dorn im Auge.

Neben der Führung seines Autozulieferers, mit dem er Mitte der 1980er-Jahre auch kräftig in Österreich expandierte, fand Stronach Zeit für Nebenbeschäftigungen: So zog Stronach einen Pferderennbahn-Betreiber hoch, engagierte sich im österreichischen Fußball - und gründete 2012 seine eigene Partei in Österreich, das "Team Stronach". Damit trat er bei den österreichischen Nationalratswahlen an, blieb aber unter seinen eigenen Erwartungen und kündigte bereits 2013 seinen Rückzug aus der österreichischen Politik an. Im selben Jahr kehrte er nach Kanada zurück.

Stronach wirft eigener Tochter Dokumentenfälschung vor

Nicht nur aus der Politik, auch aus dem Geschäftsleben hat sich Stronach zurückgezogen. Nun hat der Senior offenbar Zeit, seine eigene Familie gründlich zu piesacken.

Die kanadische Zeitung "Globe and Mail" berichtete unter Berufung auf die Klage, Stronach werfe seiner Tochter in der Klage vor, zusammen mit anderen Managern die Geschäfte der Stronach-Gruppe "schwer vernachlässigt" zu haben und ihre Funktion ausgenutzt zu haben. Demnach versuchten sie, Finanzprobleme zu vertuschen und Frank Stronach aus dem Unternehmen zu drängen. Unter anderem seien Dokumente gefälscht worden. Auch seine Enkelkinder hat verklagt.

Seine Tochter Belinda leitete bisher das gemeinsam mit ihrem Vater gegründete Unternehmen The Stronach Group, das sich vorwiegend mit Pferderennen und Pferdezucht beschäftigt. Zu dem Unternehmen gehören etwa zwei bekannte US-Pferderennbahnen und eine in Österreich.

Stronach wirft seiner Tochter laut österreichischen Medien unter anderem vor, alleine durch ihren extravaganten Lebensstil aus der Stronach-Gruppe mehr als 70 Millionen Dollar abgezogen zu haben.

Die 52-jährige Belinda Stronach wies die Vorwürfe zurück. Familienbeziehungen in einem Unternehmen könnten schwierig sein, erklärte sie. Die Vorwürfe seien falsch. "Meine Kinder und ich lieben meinen Vater."

Stronach selbst ließ laut österreichischen Medien über Anwälte verbreiten, dass er es bedauere, dieses Verfahren nun als letzte Maßnahme eingeleitet zu haben. Er habe allerdings zwei Jahre lang versucht, den Streit einvernehmlich zu lösen.

Seiner Tochter und auch seine Enkelkinder erklärten, mit den üblichen rechtlichen Mitteln auf die Klage antworten zu wollen.

mit Material von AFP

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