Mittwoch, 15. August 2018

Deutschlands dümmster Zulieferer 40 Millionen Euro weg - dieser MDax-Konzern fällt auf Betrüger rein

Leoni: Der Verkabelungs-Spezialist hat sich durch die "Chef-Masche" offenbar um 40 Millionen Euro prellen lassen

Bei der Verkabelung von Autos zählt Leoni zu den Champions - doch beim Thema IT-Sicherheit und Controlling spielt das MDax-Unternehmen offenbar in der Kreisliga. Dies offenbart ein 40 Millionen Euro teurer Betrugsfall.

Der Autozulieferer Leoni Börsen-Chart zeigen ist nach eigenen Angaben Opfer eines millionenschweren Betrugs geworden. Unter Verwendung gefälschter Dokumente und Identitäten sowie unter Nutzung elektronischer Kommunikationswege seien Gelder des Unternehmens auf Zielkonten im Ausland transferiert worden, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag mit. Der Schaden belaufe sich auf einen Abfluss an liquiden Mitteln von insgesamt rund 40 Millionen Euro.

Am Finanzmarkt war die Reaktion auf den Betrugsfall vernichtend: Die Aktien von Leoni sackten um mehr als acht Prozent ab und waren damit Schlusslicht im MDax.

Ein Sprecher wollte sich auf Nachfrage wegen laufender Ermittlungen nicht zu weiteren Details äußern. Aus dem Firmenumfeld hieß es, jemand habe sich gegenüber Mitarbeitern des Hauses als Leoni-Mitarbeiter ausgegeben und behauptet, "besondere Befugnisse zu haben". Auf diese Weise habe er "bestimmte Geschäftsvorgänge vorbereiten" lassen.

Das Besondere sei dabei nicht das Vorgehen der Betrüger an sich, "sondern die Höhe des Schadens", hieß es.

Nach Angaben eines Leoni-Sprechers hat der Vorstand umgehend eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet und prüft derzeit Schadenersatz- und Versicherungsansprüche. Ebenso sei Anzeige erstattet worden.

Die Auswirkungen auf die Ergebnisprognose kann das Unternehmen derzeit noch nicht abschätzen. Die Liquiditätslage des Konzerns sei nicht wesentlich beeinträchtigt. Das Vorgehen der Täter ähnelt der sogenannten "Chef-Masche", bei der Unbekannte bereits in den vergangenen Monaten andere Unternehmen um große Beträge erleichtert hatten.

Deutschlands dümmster Autozulieferer

Dass es möglich ist, ein großes MDax-Unternehmen mit einer solchen Masche um einen Betrag von 40 Millionen Euro zu prellen, wirft ein Schlaglicht auf die offenbar fehlenden Sicherheitssysteme bei Leoni. Auslöser für den Kurssturz der im MDax notierten Aktie am Dienstag ist damit nicht nur, dass Leoni nun ein zweistelliger Millionenbetrag in der Kasse fehlt, sondern auch die Frage, wie es um die internen Kontrollmechanismen bei dem Autozulieferer bestellt ist. Obwohl der Schaden bei Leoni Börsen-Chart zeigen nicht ganz so hoch ist wie seinerzeit bei der staatlichen Förderbank KfW, drängt sich ein Verglich mit der seinerzeit "dümmsten Bank Deutschlands" auf.

Zur Erinnerung: Die staatliche Förderbank KfW hatte am Morgen des 15. September 2008 der US-Investmentbank Lehman Brothers einen Betrag in Höhe von 320 Millionen Euro überwiesen. Hintergrund war ein bereits zuvor vereinbartes Devisenswapgeschäft - Lehman sollte im Gegenzug rund 500 Millionen Dollar an die KfW zahlen. Die KfW-Banker hatten jedoch nicht bemerkt, dass Lehman Brothers in der Nacht zuvor Insolvenz angemeldet hatte - und somit blieb auch die vereinbarte Gegenzahlung aus. Diese Transaktion trug der KfW den Titel "Deutschlands dümmste Bank" (Bild-Titelzeile am 16. September 2008) ein: Obwohl die Probleme bei Lehman seit Wochen bekannt waren, hielt es bei der KfW niemand für nötig, vor der Überweisung von 320 Millionen Euro noch einmal die Eilmeldungen aus der Nacht zu checken. Man wird ja wohl auch mal schlafen dürfen.

la/dpa

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